13. Juli  1943 01:08 / Sion

© by Patrick Schlenker 2011

 

Lancaster Mk.III, ED.531, code PO°T, 467 Squadron RAAF

 

Pilot: P/O Graham Mitchell 

Flight Engineer: Sgt Benjamin Evans 

Navigator: F/Lt Harold St George 

Bomb Aimer: F/O Walter Morgan 

Wireless Oprtr: Sgt John Maher 

Mid-upper Gunner: F/Sgt Anthony Terry 

Rear Gunner: Sgt Hugh Bolger 

 

Die Lancaster III, welche von Pilot / Officer Graham Mitchell geflogen wurde, gehörte einem Verband von 224 Bombern an, welche über einen Zeitraum von mehr als einer halben Stunde, zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens,  die Berner Alpen und über die Walliser Alpen flog.  Die britschen Bomber waren auf dem weg nach Turin. Die Bomber trafen auf äusserst wiedrige Wetterbedingungen, weshlab diese sehr tief flogen. Die Route sollte die Bomber über das besetze Frankreich hin, zu einem Wendepunkt über den See bei Annecy führen, südwestlich von Genf. Weiter über die Französisch-Italienischen Alpen on östlicher Richtung. Die Rückkehr sollte ebenfalls über die Alpen erfolgen um die offene See vor Tagesanbruch zu erreichen. 

Im Laufe des Abends schob sich eine Kaltfront Richtung Alpen, was zur starken Gewitterbildung beitrug. Diese widrigen Bedingungen zwang 16 Bomberbesatzungen zur Umkehr. Obschon  der Rest der Lancasterbesatzunegn versuchte, den Wendepunkt über dem See bei Annecy zu erreichen, drifteten die Bomber immer weiter nach Nordosten ab, direkt in den Schweizer Luftraum. Fälschlicherweise hileten die Navigatoren den Genfersee für ihren Wendepunkt.

Durch das dröhnen der vielen schweren Bomber herrschte in Sion eine schwere und gewitterhafte Atmosphäre. Die Einwohner, durch das düstere Grollen, das gegen die Hänge hallte, geweckt wurden, suchten vergeblich den Himmel ab. Zwischen den ziemlich niedrigen Wolken funkelten gelegentlich einige Sterne, aber es war kein Flugzeug zu sehen.

Als das dröhnen endlich endet und das Geräusch in der Ferne zu verhallen begann, konnte ein einzelnes Flugzeug mit stoterden Motor wahrgenommen werden. Der Grund für das stottern waren die Flaktreffer der Schweizer Flabbatterien 80, 84, 102  der Flab Abt. 10 auf dem Col du Marchairuz in der Nähe von Le Brassus. Die niedrig fliegenden Bomber wurden nach Aussage der Geshützmannschaften sichtbar getroffen.

Die getroffene Lancaster flog, trotz Beschädigungen, in der Folge das Rhonetal hinauf und begann über Sitten und Val d`Heremence zu kreisen. Während die Maschine Leuchtraketen abfeuerte um einen geeigenten Landeplatz zu finden. Dabei verlor die Lancaster immer mehr an Höhe. Um 00:55 stürtze der Bomber oberhalb von  Mayens-de-Sion ab, nachdem dieser noch eine Hochspannungsleitung gestreift hatte.

Aus Sio wurde berichtet: Als das Geräusch die Gipfel von Thyon erreichte, entfacht sich plötzlich ein riesiger roter Feuerschein, gefolgt von einer Explosion. Einige Sekunden später ereignete sich eine noch stärkere zweite Explosion. Der Bomber war in den Gipfeln von Thyon abgestürzt. Als wöre es ein Zeichen gewwesen, ergoss sich kurz nach dem Absturz ein Gewitter über das Gebiet. 

Zwanzig Minuten nach dem Absturz erreichte ein erstes Fahrzeug, angeführt von Neugierigen, die Gegend des kleinen Tals. Abgesehen vom Schützen des hinteren Turms, den der Aufprall weit von seinem Sitz weggeschleudert wurde, waren die anderen Besatzungsmitglieder an ihren Plätzen zusammengesunken. Man kann nur ihre verkohlten Überreste im Licht des Feuers erkennen. Die Leiche des Schützen lag weiter entfernt auf der Weide, noch in seinem Fliegeroverall.

Offensichtlich hat sich das Flugzeug auf einen Flügel gedreht, der andere wurde durch die Wucht des Aufpralls abgerissen und lagt weiter entfernt, verdreht und formlos. Tags darauf rückte die Armee an. Die Schweizer Armee benötigte 12 Lastwagen, um alle Trümmer abzutransportieren.

Beim Angriff auf Italien wurden weitere 12 Lancaster und eine Halifax durch Flugzeuge und Flak der Achsenmächte abgeschossen. Viele der Besatzungen des Angriffes zählen bis heute als verschollen.

Die Lancaster ED.531 wurde 1941 mit einem Auftragsvolumen von 619 Lancastern in Auftrag gegeben und im Winter 1942/43 in  AV Roe bei Chadderton gebaut. Am 26. Januar 1943 wurde die Maschine ausgeliefert und hatte bis am zu ihrem Absturz 230 Flugstunden absolviert. Die Lancaster war an folgenden Einsätzen beteiligt. St.Nazaire (28-02/01.03.1943), Berlin (01/02.03.1943), Essen (05/06.03.1943), Berlin (27/28.03.1943), Essen (03/04.04.1943), Pilsen (16/17.04.1943), Dortmund (23/24.05.1943), Düsseldorf (15/16.05.1943), Düsseldorf (11/12.06.1943), Bochum (12/13.06.1943), Oberhausen (14/15.06.1943) und Köln (03/04.07.1943).

Trümmer Lancaster Sion

Von der Lancaster Mk.III, ED.531, code PO°T ist nur ein Trümmerfeld übriggeblieben. Foto NZZ 14.7.1943

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Drei Tage später fand auf dem Friedhof in Vevey, auf welchen noch heute sämtliche gefallenen britischen Soldaten ihre jener Tage in Frieden ruhen, eine beeindruckende Zeremonie statt. Bei der Beerdigung der 14 britischen Besatzungsmitglieder (Lancaster 207 Sq. Absturz Le Bouveret >> Beitrag lesen ) war eine grosse Anzahl an Trauergästen zugegen, die aus allen Teilen der Schweiz angereist waren. Den Trauerzug führte an der bevollmächtigte Minister Herr Clifford Norton, Air Commodore FMF West, Air Attache Colonel HA Cartwright, Militär-Attache und Major HN Fryer. Weiter waren anwesend Vertreter der RAF, der British Legion, sowie Angehörige der Griechische, Belgischen, Niederländischen, Jugoslawischen, den USA und palästinensischen Gemeinden der Schweiz.  Sechs englische Priester durch den Gottesdienst.

Ein Schweizer Armeespiel spielte "God save the King" und Pater Kurfürst erteilet den gefallenen Soldaten die Absolution. Beim Absenken der Särge warf Air Commodore FMF West als symbolische Geste eine Handvoll Erde in die Gräber. Mit drei Salven aus Karabinern eines Detachementes der Schweizer Armee und einem Trompetensolo endete die eindrucksvolle Beerdigung.

Beim Angriff der Royal Air Force am 12. / 13. Juli 1943 auf Turin starben 101 Personen und 203 wurden verletzt. Die RAF verlor 14 viermotorige Bomber, wobei 6 davon, allesamt Lancaster, bis heute als verscholen gelten. 90 Besatzungemitglieder starben und 10 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Unter den Gefallenen war auch Wing Commander John Nettleton, träger des Victoria Kreuzes, welcher dieser beim einem Tagangriff auf Augsburg erhalten hatte.

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Zeitungsartikel in der NOUVELLISTE VALAISAN vom 14. Juli 1943


Vevey (St. Martins) Cemetery

 

Pilot: P/O Graham Mitchell  - Flight Engineer: Sgt Benjamin Evans  - Navigator: F/Lt Harold St George 

MitchellEvans George

Bomb Aimer: F/O Walter Morgan †  - Wireless Oprtr: Sgt John Maher †  - Mid-upper Gunner: F/Sgt Anthony Terry 

MorganMaherTerry

Rear Gunner: Sgt Hugh Bolger 

Bolger