13. Juli  1943 00:55 / Le Bouveret

© by Patrick Schlenker 2011 / 2026

Lancaster Mk.I, ED.412, code EM°Q, 207 Squadron_1

Lancaster Mk.I, ED.412, code EM°Q, 207 Squadron in einer Gruppe von mehreren Lancastern beim Überflug über den Schweizer Jura in der nacht vom 13. Juli 1943 - Bild © Schlenker Patrick 2026

 

Pilot: P/O Horace Badge 

Flight Engineer: Sgt Robert Wood 

Navigator: F/Lt Arthur Jeeps 

Bomb Aimer: Sgt Arthur Wright 

Wireless Oprtr: Sgt Edward Higgins 

Mid-upper Gunner: Sgt James Spence 

Rear Gunner: F/Sgt Ronald Brett 

 

Gegen 100 Lancaster Bomber verschiedener Staffeln überquerten in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli um Mitternacht den Westzipfel der Schweiz. Die Maschinen waren auf dem Weg nach Turin in Italien. Die vorausfliegenden Pathfinder Bomber hatten den Weg Richtung Italien mit Markierungen, entlang der Schweizer Grenze, gelennzeichnet. Ihre Route sollte die 300 Bomber , welche an diesem Angriff teilnehmen sollten, in einer Höhe von 20'000 Fuss über die Somme und Anecy, der linken Seite des Mont Blanc vorbei führen sollen. Infolge schwerer Gewitter über Frankreich gerieten über 100 Bomber in den Schweizer Luftraum.

Die Schweizer Flabbatterien 80, 84, 102  der Flab Abt. 10 auf dem Col du Marchairuz in der Nähe von Le Brassus nahmen die Bomber unter Feuer und landeten auch verschiedene Treffer.

Einer dieser getroffenen Maschinen war die Lancaster Mk.I, ED.412, code EM°Q, der 207 Squadron, welche von Pilot Officer Horace Badge  geflogen wurde. Horace Badge  war zusammen mit acht anderen Lancastern der 207 Squadron am Abend des 12. Juli 1943 von Langar in Nottinghamshire aus gestartet. Im Rumpf der ED.412 trug die Lancaster eine 4000 Pfund Bombe (Coockie), sowie 204 Brandbomben. Es sollte Horace Badge  und seiner Crew der vierte und letzte opartiver Einsatz sein.

In der Folge entledigte sich die Besatzung der Lancaster unter Pilot/Officer Horace Badge ihrer Bombenlast über Savigny und Forel, östlich von Lausanne. Augenzeugen berichteten, dass der Bomber "ungewöhnlich tief" geflogen sei, als er die Bomben abgeworfen hätte. Am Nordufer des Genfersees, bei Vevey, wo heute alle Besatzungsmitglieder ihre letzte Ruhe gefunden haben, kreiste der Bomber noch zweimal, bevor dieser mit einem hellen Blitz explodierte. Kurze Zeit später zerschellte das Flugzeug in einer Höhe von 900 Meter und 500 Meter südlich  von Le Bouveret am Berghang des Mount Grammont.  Die Explosion und das anschliessende Feuer konnte Kilometer weit beobachtet werden. 

Die Besatzung der Lancaster Mk.I, ED.412, code EM°Q hatte es nicht mehr geschafft aus dem beschädigten Bomber auszusteigen. Sie wurden zusammen mit der Besatzung der in der selben Nacht abgestürzten Lancaster Mk.III, ED.531, code PO°T der 467 Squadron RAAF, welche bei Sion abgestürzt waren, beerdigt.

Unmittelbar nach dem Absturz rückten Einheiten der Schweizer Armee, der Gendarmerie sowie zivile Rettungskräfte aus dem unteren Rhonetal zum Unglücksort aus. Das schwer zugängliche Gelände am Südhang des Mount Grammont erschwerte die Bergungsarbeiten erheblich. Teile des Wracks lagen weit verstreut, zahlreiche Trümmer waren durch die Explosion tief in den Boden eingeschlagen oder in Brand geraten. Die Armee sperrte das Gebiet grossräumig ab, um Schaulustige fernzuhalten und die Untersuchungen zu ermöglichen.

Bereits in den frühen Morgenstunden begannen Offiziere der Fliegertruppen und Vertreter der kantonalen Behörden mit der Aufnahme des Schadens. Neben der Bergung der sterblichen Überreste stand die Sicherung militärisch relevanter Teile im Vordergrund. Munitionsteile und Bombenreste wurden durch Spezialisten entschärft oder abtransportiert.

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Überreste der Lancaster ED.412 am Mount Grammont - Foto NZZ 14.7.1943 - Bearbeitung Patrick Schlenker

 

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Schweizer Soldat in den Trümmern der Lancaster, oberhalb von Le Bouveret - Foto Basler Nachrichten 14.7.1943 - Bearbeitung Patrick Schlenker

Lancaster Mk.I, ED.412, code EM°Q, 207 Squadron Trümmer_1


Schweizer Soldat in den Trümmern der Lancaster, oberhalb von Le Bouveret - Foto Basler Nachrichten 14.7.1943 - Bearbeitung Patrick Schlenker

 

Durch die Explosion und den anschliessenden Aufprall kam es in Le Bouveret zu verschiedenen Sachschäden. Mehrere Fensterscheiben gingen zu Bruch, zudem wurden Dächer und Fassaden einzelner Gebäude beschädigt. Auch im angrenzenden Gemeindewald von Port-Valais entstanden Schäden durch herabfallende Trümmer und Brände. Die betroffenen Flächen mussten später gerodet und gesichert werden.

Die kantonalen Stellen erfassten die Schäden systematisch. Da ein Teil der betroffenen Objekte nicht gegen Feuerschäden versichert war, stellte sich rasch die Frage nach einer finanziellen Entschädigung. In der Folge wurden die Fälle den zuständigen Bundesstellen gemeldet und nach den geltenden Bestimmungen zu Neutralitätsverletzungsschäden behandelt.


Drei Tage später fand auf dem Friedhof in Vevey, auf welchen noch heute sämtliche gefallenen britischen Soldaten ihre jener Tage in Frieden ruhen, eine beeindruckende Zeremonie statt. Bei der Beerdigung der 14 britischen Besatzungsmitglieder war eine grosse Anzahl an Trauergästen zugegen, die aus allen Teilen der Schweiz angereist waren. Den Trauerzug führte an der bevollmächtigte Minister Herr Clifford Norton, Air Commodore FMF West, Air Attache Colonel HA Cartwright, Militär-Attache und Major HN Fryer. Weiter waren anwesend Vertreter der RAF, der British Legion, sowie Angehörige der Griechische, Belgischen, Niederländischen, Jugoslawischen, den USA und palästinensischen Gemeinden der Schweiz.  Sechs englische Priester durch den Gottesdienst.

Ein Schweizer Armeespiel spielte "God save the King" und Pater Kurfürst erteilet den gefallenen Soldaten die Absolution. Beim Absenken der Särge warf Air Commodore FMF West als symbolische Geste eine Handvoll Erde in die Gräber. Mit drei Salven aus Karabinern eines Detachementes der Schweizer Armee und einem Trompetensolo endete die eindrucksvolle Beerdigung.

Beerdigung Vevey 1943_2

Särge mit den sterblichen Überresten der beiden Besatzungen der Lancasterabstürze in Sion und Le Bouveret vom 13. juli 1943 - Fotos Überarbeitung / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Beerdigung Vevey 1943_1

Britische Soldaten und Offiziere während er Beerdgung auf dem Soldatenfriedhof in Vevey- Fotos Überarbeitung / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Beim Angriff der Royal Air Force am 12. / 13. Juli 1943 auf Turin starben 101 Personen und 203 wurden verletzt. Die RAF verlor 14 viermotorige Bomber, wobei 6 davon, allesamt Lancaster, bis heute als verscholen gelten. 90 Besatzungemitglieder starben und 10 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Unter den Gefallenen war auch Wing Commander John Nettleton, träger des Victoria Kreuzes, welcher dieser beim einem Tagangriff auf Augsburg erhalten hatte.


Gedenkplakete Langar

Gedenktafel auf dem Langar Airfield in Nottinghamshire


Vevey (St. Martins) Cemetery

Pilot: P/O Horace Badge  - Flight Engineer: Sgt Robert Wood  Navigator: F/Lt Arthur Jeeps 

Badge Wood Jeeps

Bomb Aimer: Sgt Arthur Wright  - Wireless Oprtr: Sgt Edward Higgins  - Mid-upper Gunner: Sgt James Spence 

WrightHiggins

Rear Gunner: F/Sgt Ronald Brett 

Brett

 

Offizielle Gedenkwebseite: >> Link