Straflager Wauwilermoos

© Patrick Schlenker 2013


Das Straflager Wauwilermooss war für viele Internierte ausländische Soldaten die Hölle auf Erden. Neben den zum Teil katastrophalen  Unterbringungsbedingungen wurde die Gefangenen schickaniert, mussten sich fragwürdigen Bedingungen stellen und wurden  körperlich, wie auch sexuell misshandlet. Einzeschicksale werden später in diesem Thema behandelt, sind z.Z. in Arbeit. 


Lager Eingang

Einer der Eingänge zum Lager


Das Straflager in Wauwilermoos, östlich von Sursee im Kanton Luzern, war eines von drei Internierungsstraflagern, in welchem internierte alliierte Soldaten Strafen wegen Fluchtversuchen oder anderer Vergehen zu verbüssen hatten. Die beiden anderen Lager befanden sich in Hünenberg und Les Diablerets.  Dazu gab es die regulären Internierungslager.

Erstellt wurde das Lager 1940 und war unter der Aufsicht der Schweizer Armee.  Von Anfang an kämpfte die Anlage gegen seinen schlechten Ruf, da die Meinung herschte, der Platz wäre gerade gut genug für ältere und unfähige Offiziere. Erst nach dem Krieg wurden die Missstände im Lager bekannt.


Das Lager, bestehend aus 22 Baracken wurde Tag und Nacht von Soldaten der Schweizer Armee mit Hunden bewacht. Die von einem Unteroffizier geführte Wachthundenabteilung war 10 Mann stark und unterstand dem direkten Befehl des Kommandanten. Dazu kamen 47 Gewehrtragende als Wachtruppen (Stand 13.2.45) Um das Lager waren mehrere Reihen Stacheldraht angebracht. Die  einwandigen Baracken waren aus Holz erstellt und boten Platz für maximal 50 Personen. Diese waren mit einfachen Betten mit Strohfüllung ausgestattet worden. Einzig Offizieren standen mit Stroh gefüllte Matrazen zu. Durch den Umstand, dass das Lager auf einem Mitte 19. Jahrhundert trockengelegten Sees befand, standen die Internierte oftmals Knöcheltief im Schlamm. Sanitäre Anlagen gab es kaum und waren äusserts Mangelhaft.  Die Latrinen bestanden aus einfachen Gräben in der Erde.


Lager Wauwilermoos.jpg

Legende Übersichtsplan

1: Porte Schötz

2: Porte Egolzwil

3: Porte Santenberg

5: Baracken Sanfenberg / spezial Baracken

8: Baracken Sanfenberg  / spezial Baracken

9: Baracken Sanfenberg

10: Zimmerei, Coiffeur, und andere Handwerker

11: Lavabos und WC für die Gefangenen

13: Baracken Sanfenberg

21: Krankenstation

23: Baracken Sektion Wauwilermoos

25: Baracken Sektion Wauwilermoos

27: Baracken Sektion Wauwilermoos

29: Baracken Sektion Wauwilermoos

31: Baracken Sektion Wauwilermoos



A: Kommandobaracke

B: Fourier- und Depotbaracke

C: Militärpolizei

D: Wachbaracke

E: Magazin

F: Hundezwinger

G: Theater - Casino von Wauwilermoos

J: Pferdestallungen

K: Schweinestall

L: Das Loch

M: Lavabos und WC für das Wachpersonal

N-O: Unterkünfte der Wache

P: Magazin 

R: Duschen

S: Küche








Neben der wenigen und schlechten Nahrung, fehlte grösstenteils die medizinische Versorgung der Internierten. Auch der Zugang zu den Hilfpaketen des Roten Kreuzes und die Möglichkeit der Kommunikation per Brief mit der Aussenwelt, wurde den Insassen verwehrt.


Das Lager wurde durch unterschiedliche Inspektoren besichtigt, wie Ende 1944 durch Generaladjudant Ruggero Dollfus, als interimistischer Eidg. Internierungskommissär. Er stelle ebenfalls die schlechten sanitären Anlagen fest. Auch ein weiterer Bericht im Januar 1943 stelle dem Lager ein schlechtes Zeugnis aus in Sachen Ordnung und Sauberkeit.

Militärarzt Major Humbert, Verantwortlicher Arzt für Internierte im Sektor Seeland, hatte schon in drei Berichten im Januar und Februar 1942 die "enorme Krankheitshäufigkeit" im Straflager Wauwilermoos bemängelt. "Die moralische Atmosphäre im Lager Wauwilermoos ist absolut unhaltbar." Hauptmann André Béguin hatte eine eigenen Strafenkatalog erstellt: 5 Tage Arrest für einen nicht zugemachten Knopf. Fünf Tage Arrest für nicht vollständige Kleidung bei Gang in den Waschraum uv.m. Obschon Major Humbert auch auf psychologische Defizite hinweis, verliefen seine Beschwerden über André Béguin in die Lehre, da Major Humbert im Februar 1942 die Dienststelle verliess.

Speziallager


Hauptmann André Béguin war 1897 in Neuenburg geboren und war im Juli 1941 Lagerkommandant geworden. André Béguin machte im Architekturbüro seines Vater eine Lehre als Zeichner.  Mit seinem älteren Bruder, Jacques Béguin zerstritt er sich wegen des väterlichen Erbes und in Fragen der Politik. Jacques Béguin war Abgeordneter der liberalen Partei. Die erste Ehe wurde nach sieben Jahren im Jahr 1930 geschieden. Seine zweite Ehe kurze zeit später wurde 1936 geschieden.


Seine rechte Gesinnung war niemals ein Geheimnis. Zuerst war André Béguin Mitglied der rechtsradikalen "Jeunesses nationales Neuchâteloises. 1936 trat er der rechten "National Union" bei.  1937 wurde er zudem Chef der Sektion "Front National" in Yverdon. Am 15. Oktober 1937 wurde André Béguin wegen des Tragens einer Parteiuniform verurteilt. Daneben hatte André Béguin dauernd finanzielle Probleme. Selbst für seine Partei war er deshalb nicht mehr tragbar und wurde aus dieser ausgeschlossen. So wurde er wegen seiner finanziellen Lage und den Verlustscheinen zwischen 1931 und 1940 ausser Dienst gesetzt. Das hielt ihn aber nicht davon ab, diese trotzdem zu tragen. 1938 griff ihn die Polizei in La Chaux-de-Fonds auf, als er halb Zivil, halb in Uniform herumspazierte und erzählte, er sei Kommandant des Sektors La Ferriere.


1940 wurde er auf eigenes Gesuch hin wieder in den aktiven Dienst gestellt. Über verschiedene Stationen der Artillerie und der FHD, wurde André Béguin der Internierungsbehörde zugeteilt. Zunächst Kommandant des Lagers Kalchrain, übernahm André Béguin das Straflager Wauwilermoos.

1942 stand Hauptmann André Béguin unter Spionageverdacht, da er dauernd mit einer Kamera unterwegs war. Am 28. Januar 1942 wurde er jedoch freigesprochen. Durch die Ermittlungen kamen jedoch vor allem seine politische Einstellung und die finanziellen Probleme zum Vorschein. Oberst Robert Jaquillard, Chef des Spionageabwehrdienstes der Armee,  sprach sich in der Folge gegen die Beibehaltung von Hauptmann André Béguin  als Kommandant des Lagers aus. der Bericht landete schlussendlich beim Chef des Rechtsdienstes des Eidg. Internierung Major Imer. Nach einer Inspektion des letzt genannten im Straflager Wauwilermoos, stellte dieser fest, Dass vor allem die Anschuldigungen  von Sektorarzt Major Humbert zum grössten Teil übertrieben waren. Hauptmann André Béguin  behielt seinen Posten.


Am 3. November 1944 schritt Generaladjudant und interimistischer Internierungskommissär Dollfus ein, als bekannt wurde, dass den internierten Amerikanern der Zugang zu den Gefangenenpaketen des amerikanischen Roten Kreuzes verwehrt wurde. Bei der Durchsuchung des Büros von Hauptmann André Béguin kamen grössere mengen an Genussmittel wie Kaffeebohnen, Schokolade, und Zigaretten zu Tage. Auch in seiner Privatwohnung wurde allerhand gefunden, wie Margarine eines amerikanischen Herstellers. Hauptmann André Béguin  sagte aus, dass die Sachen bei Gelegenheit allen Internierten zukommen lassen wollte. Zudem wurden 483 Briefe der Internierten oder Angehöriger dieser nicht versendet, resp. nicht verteilt.


Erst am 31. Juli 1945 wurde Hauptmann André Béguin suspendiert und ab dem 5. September 1945 der Zutritt zum Lager verboten, da er anscheinend am 3.9.45 im Lager Akten verbrannt hatte. Am 24. September kam er in Untersuchungshaft.

Am 20. Februar 1946 verurteilte ihn das Zürcher Divisions-Gericht zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus wegen verschiedenster Vergehen wie "des Betruges, des wiederholten Betrugsversuches, der wiederholten Veruntreuung, des Sichbestechenlassens, des wiederholten Missbrauchs, der wiederholten Urkundenfälschung, der wiederholten Fälschung dienstlicher Aktenstücke, der wiederholten Nichtbefolgung von Dienstvorschriften, des wiederholten Materialmissbrauchs und des wiederholten Ungehorsams."


Peter Kamber stellte in seinem Buch "Schüsse auf die Befreier" fest, dass es zu einfach wäre, nur André Béguin als Symbol der fürchterlichen Verhältnisse im Lager Wauwilermoos zu machen.

Es gab nach dem Krieg versuche aus den USA, André Béguin als Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen. Es blieb beim Versuch.


Quellen: "Schüsse auf die Befreier" von Peter Kamber - "Infringing Neutrality " Roger Anthoine