Bombenabwürfe bei Raron VS & Sins AG 11. / 12. Dezember 1942
© by Patrick Schlenker 2011 / 2026
In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1942 wurde auf Gebiet Raron ein Brandbombenabwurf festgestellt. Der diensttuende Luftschutzoffizier erhielt um ca. 22.18 Uhr telefonisch die erste Meldung, dass nach einem Abwurf Feuer ausgebrochen seien. Kurz darauf bestätigten mehrere Anrufe, dass es nicht bei einem einzelnen Einschlag geblieben war: Es habe viele Bombenabwürfe gegeben, und an verschiedenen Stellen seien Brände entstanden.
Gegen 23.00 Uhr begab sich der Offizier zusammen mit dem Ortsleiter und Behörden vor Ort auf das betroffene Gebiet. Dort zeigte sich schon in der ersten Lageaufnahme, dass der Grossteil des Flugplatzareals mit Brandbomben belegt war. Südlich der Kantonsstrasse brannte ausserdem eine Waldpartie. Die Feuerwehr aus Raron war bereits mit einer Militärgruppe im Einsatz und konnte den Brand innert rund einer Stunde so weit bändigen, dass keine weitere Ausbreitung gemeldet wurde.
Am Morgen des 12. Dezember folgte dann die genauere Kontrolle. Dabei wurde klar, dass das Ausmass grösser war, als es in der Nacht zunächst wirkte. Der Brandbombenbelag lag auf den Feldern sehr zahlreich, und die Verteilung reichte vom Hang bis hinunter Richtung Rhone. Allein das Flugfeld verzeichnete mindestens an die hundert Brandbomben. Auch einzelne Schäden wurden festgehalten: Eine Brandbombe erreichte den Flugzeugschuppen, schlug durchs Dach und zerlegte sich im Innern als Brandmaterial. Weil die Halle offenbar nicht belegt war, blieb es dort bei einem begrenzten Vorfall. Eine weitere Brandbombe traf den danebenstehenden kleinen Bunker, der Schaden wurde als nicht nennenswert beschrieben. Östlich von St. German beim Kalkofen löste eine Brandbombe Feuer aus und bedrohte eine landwirtschaftliche Anlage, konnte aber dank sofortigem Eingreifen noch rechtzeitig eingedämmt werden.
Nachgestellt Skizze von Kollegen. Lehmann nach den Abwürfen im Dezember 1942 - © Patrick Schlenker 2026
Skizze der Abwürfe in Riederwald- © Patrick Schlenker 2026
Neben den Brandbomben fand man auch den Hinweis auf eine deutlich schwerere Munition: Im kleinen Wald „Goller“, rund 200 Meter links der Kantonsstrasse, wurde ein Sprengtrichter festgestellt. Er wurde mit etwa 2,50 Metern Tiefe und rund 7 Metern Breite beschrieben. Zusätzliche Schäden ausserhalb des Kraters wurden nicht verzeichnet. Bei der späteren fachtechnischen Untersuchung wurden mindestens 150 Brandpatronen festgestellt: Die gefundenen Hülsen trugen Markierungen wie „JD/42“ sowie „MK. IV, 1942“, und die Herkunft der Brandbomben wurde als englisch bezeichnet. Auch bei der Sprengbombe ging man aufgrund der Wirkung im steinigen Boden von einer Grössenordnung um 200 kg aus, zudem wurde ein Verzögerungszünder angenommen. Aus Zeugenaussagen und der Lage der Einschläge wurde abgeleitet, dass der Abwurf aus der Richtung Nord–Süd und wohl aus niedriger Höhe erfolgt sei.
NZZ 13. Dezember 1942
