Bombenabwürfe über Basel und Binningen vom 16./17. Dezember 1940

© Patrick Schlenker 2011/2020

 


Bei Tage ist es kinderleicht, die Dinge nüchtern und unsentimental zu sehen. Nachts ist das eine ganz andere Geschichte.

Ernest Hemingway

 

Inhalt:

  1. Einleitung
  2. Coventry – Operation Mondscheinsonate
  3. Operation Rachel Abigail
  4. Erste Bomben auf Basel
  5. Erste Opfer am Winkelriedplatz
  6. Rückkehr der Bomber
  7. Rohbau schwer getroffen
  8. Reaktionen
  9. Abschied
  10. Blindgänger
  11. Offene Fragen und Antworten
  12. Identifizierte Bomber und ihre Besatzungen
  13. Fazit
  14. Die Orte heute
  15. Quellenverzeichnis

Einleitung

Die Navigationsmöglichkeiten zu Beginn des 2. Weltkrieges waren technisch gesehen noch sehr bescheiden. Technologien wie die Funkstrahlmethoden und andere Hilfsmittel waren bei den Briten zum Teil noch im Versuchsstadium und nicht einsatzbereit. Das britische Bomber Command setzte daher auf das sogenannte „dead reckoning navigation“ (Koppelnavigation). Eine Navigationsmöglichkeit, die heute in der privaten Luftfahrt immer noch für Notfälle gelehrt wird. Neben einem Kompass, standen den Bombercrews der RAF (Royal Air Force) nur noch ein schwer zu bedienender Sextant und wenige metrologische Daten zur Verfügung. Da das Navigieren in der Dunkelheit unter diesen Umständen sehr schwierig war, sah die Angriffsdoktrin des Bomber Command zielgenaue Bombardements nur bei Tageslicht vor. Ab Ende 1939 konnten die Bomber jedoch schon bald nur noch nachts Ziele über feindlichem Gebiet anfliegen. Dies weil die deutsche Fliegerabwehr den Verbänden der RAF zunehmend schwere Verluste bei Tag zufügte. Um den komplett veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen, musste die Ausbildung der Navigatoren massiv erweitert werden. Ebenso war die Anschaffung der dazu benötigten technischen Geräte erforderlich. Beides brauchte Zeit und war nicht so rasch wie erwünscht umsetzbar. Die Fehlerquote blieb aus diesem Grund sehr gross. Bei einer Überprüfung von Einsatzberichten und Einsatzfotos stellte das Bomber Command 1941 fest, dass bei Angriffen in Verbindung mit der Koppelnavigation nur eine von zehn Bomben in ein Ziel von fünf Meilen traf (8km). Wie gross die Probleme mit der Navigation in der Militärfliegerei in den ersten Kriegsjahren allgemein waren, zeigt auch der Umstand, das am 10. Mai 1940 drei deutsche Bomber vom Typ He111 wegen eines Navigationsfehlers anstatt Dijon in Frankreich die deutsche Stadt Freiburg im Breigau bombardierten. 1

Zu Beginn des Krieges hatte der damalige Präsident der noch neutralen Vereinigten Staaten von Amerika Franklin D. Roosevelt, alle Kriegsparteien dazu aufgefordert, ihre Luftangriffe auf rein militärische Ziele zu beschränken. Die französische und englische Generalität anerkannte die Forderung insofern an, dass sich der Gegner ebenfalls daran hielt. Als am 14. Mai 1940 Rotterdam, trotz einem Ersuchen um Waffenstillstand der holländischen Regierung, beim verheerenden deutschen Bombenangriff 800 Zivilisten zum Opfer fielen und 25'000 Häuser zerstört wurden, kündigte die britische Regierung diese Forderung auf. Angriffe auf Städte waren nicht länger Tabu.

Auch wenn sich die englische Generalität nun zu einer Umkehr ihrer Angriffsdoktrin entschied, gab es zwei Probleme. Die RAF verfügte zum einen zu diesem Zeitpunkt nicht über die geeigneten Bomber mit genügend Reichweite und Nutzlast für grossangelegte Bombardements und zum anderen musste man Rücksicht auf den Verbündeten Frankreich nehmen. Die französische Regierung hatte Vorbehalte gegenüber den britischen Plänen der bombarderung von Städten. Dies weil man fürchtete, dass die Deutschen im Gegenzug beginnen würden, französische Städte mit grösseren Bomberverbänden anzugreifen. Trotz dieser Problempunkte erteile das Air Ministerium Air Marshal Charles Portal den Auftrag, Industrieanlagen mit grossen Bomberverbänden im Ruhrgebiet anzugreifen. In der Nacht vom 15./16. Mai 1940 begann das Bomber Command seine Luftschläge gegen Deutschland mit 96 Bombern gegen Industrieanlagen und weitere Ziele östlich des Rheins. Nachdem wiederum zu Beginn der Luftschlacht um England die deutsche Luftwaffe in erster Linie englische Radaranlagen und Flugplätze mit grossangelegten Bombardements auszuschalten versuchte, ging sie ab dem 10. Juli 1940 dazu über Convoys und Hafenanlagen der Marine entlang der Küste und der Themse zu zerstören. Ab 23. August 1940 sollten dann die eingesetzten Luftflotten Luftwaffenstützpunkte der RAF sowie auch Industrieanlagen, welche vor allem dem Flugzeugbau dienten, vernichten. In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1940 flogen deutsche Bomber Angriffe auf Short in Rochester (Kent) und die Tanklager von Thameshaven, an der Themse. Die deutschen Bomber waren durch Gegenmassnahmen ihrer Ziel-Funkstrahlen der englischen Verteidiger leicht vom Kurs abgekommen und bombardierten dabei versehentlich das East End bei London. Als Vergeltung flog in der folgenden Nacht die RAF ihren ersten Bomberangriff gegen Berlin. Von den eingesetzten 81 Bombern, Handley Page Hampden und Vickers Wellington, konnten viele jedoch das Ziel nicht finden oder wurden durch schweres Flakfeuer vom Stadtzentrum ferngehalten. Viele der 22 Tonnen Bomben schlugen im Norden Berlins in den Ortschaften Wedding, Reinickendorf und Lichtenberg ein, ohne das debei jemand verletzt wurde noch grossen Schaden anzurichten. Doch der Reichshauptstadt war das Gefühl der Unverwundbarkeit genommen.

In Folge gab Adolf Hitler am 5. September 1940 die Direktive heraus, ab sofort englische Städte, inklusive London Tag und Nacht aus der Luft anzugreifen. In den kommenden Monaten wurden Coventry (14.11.40), SoutHampden (23./ 30.11.40 / 1.12.40), Birmingham (23.11.40 / 11.12.40) , Liverpool (28.-30.8.40 / 28.11.40 / 24.-26.12.40), Bristol (24.11.40 / 2.12.40), Swindon (20.10.40 / 19.12.40), Plymouth (16.8.40 / 27.8.40 / 27.11.40), Cardiff 7.8.40), Manchester (8.8.40) , Sheffield (12.12.40 / 15.12.40), Swansea (16 Angriffe im August und September 1940) und Portsmouth (24.8.40) mehrfach von der deutschen Luftwaffe mit massiven Bomberverbänden angegriffen.

  

RAF Navigational Computer Mk. IIID

  

Navigationshilfen der Royal Air Force aus der Zeit des 2. Weltkrieges -  Planisphere Mk. IA


Coventry – Operation Mondscheinsonate

Am Abend des 14. Novembers 1940 flog der Angriffsverband der Luftflotte 3 mit 515 Flugzeugen einen der schwersten Bombenangriffe auf eine englische Stadt. Coventry liegt in den zentral gelegenen West Midlands Englands. Das Ziel des Angriffs waren die Fabriken und die industrielle Infrastruktur, welche die Flugzeugindustrie mit wichtigen Teilen versorgte. In mehreren Wellen wurde die Stadt nach und nach in Schutt und Asche gelegt. Die erste Welle warf hochexplosive Bomben über der Stadt ab. So sollten die Dächer aufgerissen und die Strassen so stark beschädigt werden (um sie unpassierbar zu machen). Die nächsten Wellen warfen kombinierte Ladungen von Spreng- und Bandbomben. Die letzteren sollten vor allem in den beschädigten Dächern zu Bränden führen. Das Konzept ging auf. Nachdem um 19.20 die ersten Bomben fielen, konnten die Bomber der folgenden Wellen schon aus mehreren hundert Kilometer die brennende Stadt erkennen. Der Angriff kostete ca. 568 Menschenleben. Rund 1'000 Personen wurden verletzt. Die Kathedrale von Coventry, 2 Krankenhäuser, 2 Kirchen sowie 4'000 Wohnung und dreiviertel der Industrieanlagen wurden zerstört. 60'000 Gebäude wurde beschädigt. Die 515 Flugzeuge vom Typ He111 warfen in dieser Nacht insgesamt um 500 Tonnen hochexplosive Bomben, 50 Fallschirmluftminen und ca. 36’000 Brandbomben bei dem Angriff über Coventry ab.

Coventry bombing

 Bahnhofsgelände von Covenry am Morgen des 15. November 1940 nach dem schweren Bombenangriff der deutschen Luftwaffe - Operation Mondscheinsonate

 

Zum 80. Jahrestag der Bombardierung von Coventry

Als am Tag nach dem Angriff König Georg VI Coventry besuchte, rief ihm ein Mann zu: "Give them what they gave to us! We can take it!". Es sollte nicht der einzige ruf nach Rache sein. Tags darauf berichtete die BBC aus Coventry mit der Meinung eines aufgebrachten Bürgers: "We're fighting gangsters, so we've got to be gangsters ourselves. We've been gentlemen too long."

RAF Crew_1

Besatzungsmitglieder der Royal Air Force warten auf ihren Einsatzbefehl


 

Operation Rachel Abigail 

Obschon das britische Kriegsministerium zu etwa der gleichen Zeit ähnliche Idee im Bezug auf gezielte Flächenbombardement von Städten verfolgte, schwenkte der britische Premierminister Winston Churchill erst nach den schwerem Angriffen auf Coventry und weitere Städten ein und ordnete die Änderung der Angriffsdoktrin am 1. Dezember 1940 an. An der Kriegskabinettssitzung  vom 12. Dezember 1940 erklärte Premierminister Winston Churchill die neue Strategie. Das Kabinett entschied jedoch, dass diese Entscheidung nicht öffentlich werden dürfe und die Presse es nicht als Repressionsattacke für die Bombardierung von Coventry und anderen Städten darstellt. Einen Tag später, am 13. Dezember 1940 wurde Operation Rachel Abigail als Experimentalangriff auf Mannheim genehmigt. Von den ursprünglich vorgesehenen 200 Bombern die am 16. Dezembers 1940 den Angriff auf Mannheim durchführen sollen, brachte das Bomber Command wegen vieler Wolken über England und anderen Problemen 134 einsatzfähige Maschinen zusammen. Davon schlussendlich 102 Bomber ihr Einsatzziel fanden.

Eingesetzt wurden 61 Bomber vom Typ Vickers Wellington Mk. IC, 35 des Typs Armstrong Whitworth Whitley Mk.IV & V, 29 des Typs Handley Page Hampden Mk.I und 9 des Typs Bristol Blenheim Mk.IV. Trotzdem war es bis zu diesem Zeitpunkt der grösste Bomberverband, den das Bomber Command auf ein einziges Ziel zusammengezogen hatte. Folgende Bomber Squadrons der Royal Air Force nahmen gemäss aufwendiger Recherchen des Autors an der Operation Abigail Rachel teil:

No 10 Bomber Squdron stationiert in Leeming - 6 Armstrong Whitworth Whitley Mk.IV

 

No 44 Bomber Squadron stationiert in Waddington - 3 Handley Page Hampden Mk.I

No 40 Bomber Squadrion stationiert in Wyton - 4 Wellington Mk.IC. Ihr start wurde wegen schlechtem Wetter abgesagt.

No 49 Bomber Squadron stationiert in Scampton - 10 Handley Page Hampden Mk.I (5 fanden das Ziel)

No 50 Bomber Squdron stationiert in Lindholme - von den 12 geplanten Handley Page Hampden Mk.I in zwei Wellen zu 6 (Ankunft geplant 21:00 und 00.30) fanden von der ersten Welle nur zwei das Ziel. 2 andere drehten wegen schlechtem Wetter um und wiederum 2 wegen Motorenproblemen. Der Start der 2. Welle wurde wegen abgesagt.

No 61 Bomber Squadron stationiert in Hemswell - 4 Handley Page Hampden Mk.I

No 75 Bomber Squdron stationiert in Feltwell - 10 Vickers Wellington Mk.IC, wovon 8 das Ziel fanden und 2 bei Aachen ihre Bomben abwarfen.

No 77 Bomber Squadron stationiert in Topcliffe - 3 Armstrong Whitworth Whitley Mk.V

No 78 Bomber Squadron stationiert in Dishforth - 6 Armstrong Whitworth Whitley Mk.V. Fünf bombardierten Mannheim, einer Ludwigshafen.

No 99 Bomber Squadron stationiert in Newmarket, Suffolk – 11 Vickers Wellington Mk.IC (6 fanden das Ziel)

No 101 Bomber Squadron stationiert in Holme-on-Spalding - 7 Bristol Blenheim Mk.IV (4 fanden das Ziel)

No 102 Bomber Squadron stationiert in Topcliffe - 5 Armstrong Whitworth Whitley Mk.V - Einer brach wegen Motorenproblemen den Einsatz ab.

No 107 Bomber Squadron stationiert in Wattisham - 8 bis 10 Bristol Blenheim Mk.IV standen zum Angriff bereit. Der Einsatz wurde wegen schlechter Sicht und Wetter für die Squadron gestrichen.

No 114 Bomber Squadron stationiert in Horsham St. Faith - 4 Bristol Blenheim Mk.IV. Zwei Bristol kehrten wegen des schlechten Wetters um.

No 115 Bomber Squadron stationiert in Marham - 6 Vickers Wellington Mk.IC. Alle 6 fanden das Ziel und warfen rund 9 Tonnen Bomben ab. Aus der selben Squadron flogen weitere Wellington Mk.IC als "Bomb Aimer" vorraus. Ob alle 8 "Bomb Aimer" von der No 115 Squadron stammten, ist aktuell nicht ganz sicher aber möglich. 

No 149 Bomber Squadron stationiert in Mildenhall - 14 Vickers Wellington Mk.IC (10 fanden das Ziel)

No 311 Bomber Squadron stationiert in East Wretham (tschechisches Geschwader) - 3 Vickers Wellington Mk.IC (3 fanden das Ziel)

Die Liste ist leider noch nicht komplett, da es bis jetzt nicht gelungen ist anhand der vorhandenen Unterlagen, sämtliche Bomber zu identifizieren, welche für den Angriff durch das Bomber Command aufgeboten wurden. Da oftmals die Squadron in A und B Flight unterteilt waren, kann sein, dass von beiden die Daten verfügbar sind.

Als die Bomber in den deutschen Luftraum eindrangen, war das Wetter viel besser als in England. Es war eine perfekte, wolkenlose Mondnacht und somit die Sicht ideal. Um 20:25 wurde in Mannheim Fliegeralarm ausgelöst. Kurz darauf flogen die ersten 8 Welligtonbomber, welche mit den erfahrensten Besatzungen vorausgeflogen waren, um mit „aimimg points“ das Ziel zu markieren. Sie liesen die Markierungen jedoch nicht ins Stadtzentrum fallen, sondern in Wohngebiete der Randbezirke. Die nachfolgenden Bomber entluden weit verstreut über dem ganzen Stadtgebiet 100-110 Tonnen Sprengbomben und zwischen 12' und 13’000 Stabbrandbomben. Die Beladung mit einer grossen Anzahl an Sperngbomben und Brandstabbomebn war absichtlich so gewählt, um die maximale Schadensmenge im Zentrum der Stadt zu konzentrieren.

Die zurückgekehrten Besatzungen gaben zu Protokoll, dass der Überfall ein grosser Erfolg sein wird. Mehr als die Hälfte der Besatzungen gab an, das Ziel getroffen zu haben. Die letzten zurückkehrenden Besatzungen berichteten, dass "das Stadtzentrum von Mannheim brenne".

In den kommenden zwei Tagen wurden Fotoaufklärer nach Mannheim geschickt. Die Besatzungen berichteten, dass noch immer Feuer brennen würden und grosse Teile der Stadt von Rauch bedeckt wären. Eine spätere Auswertung des Angriffs ergab jedoch, dass der Bombenangriff viel weniger Schaden angerichtet hatten, als die zurückkehrenden Besatzungen ursprünglich behauptet hatten. Die meisten Bomben waren weit vom Stadtzentrum entfernt gefallen und einige hatten sogar die Stadt Ludwigshafen auf der anderen Seite des Rheins getroffen.

Da die Luftabwehr über Mannheim eher bescheiden war, hatten die britischen Besatzungen keine grösseren Verluste deswegen zu beklagen. Unabhängig von der klaren Nacht gingen weder Bomber über Deutschland verloren noch schoss die deutsche Luftwaffe über dem besetzten Holland Flugzeuge ab. Insgesamt verlor die Royal Air Force bei der Operation Rachel Abigail aus unterschiedlichen Gründen neun Bomber. 17 Besatzungsmitglieder kamen bei der Operation gegen Mannheim dabei ums Leben.

  • Hampden Mk.I X3063 code AE der 49 Squdron, geflogen von F / Lt Tony Scoltock. Es wird vermutet das die Hampden vor der Isle of Wight im Meer abgestürzt ist. Die Besatzung wurde als vermisst gemeldet. Ihre Namen Sgt E.S. Rimes W/OP, Sgt J.H. Tiedeman A/OB, Sgt A.M. Wood W/OP) sind am Runnymede Memorial verewigt.
  • Hampden Mk.I X3128, code QR der 61 Squadron. Die vom 42 jährigen Pilot Officer Edwin Reeve geflogene Hampden gilt bis heute als Vermisst. Zur Besatzung gehörten Sgt. George Edward Cowan, Sgt. H.R. Richardson und der 18. jährige Sgt. Arthur Joseph Patrick Casey. Ihre Namen sind am Runnymede Memorial verewigt.
  • Wellington Mk.IC T2461, code LN der 99 Squadron stürzte um 0100 Uhr bei Rye in Sussex ab. Die Besatzung blieb unverletzt.
  • Blenheim Mk.IV Z5801, code SR der 101 Squadron hatte ein Treibstoffleck. Die Besatzung unter Pilot Officer Charles Ernest Hill sprang um 0515 Newham Deer Park bei Plymton (Devon) mit dem Fallschrim ab. Mit dabei Pilot Officer R.E Glover und Flight Officer J.V. Baker.
  • Blenheim Mk.IV P6953, code SR der 101 Squadron stürzte in Fairlight bei Hastings, vermutlich wegen Treisbtoffmangel mit einer gewaltigen Explosion ab. Pilot Sgt. William Skipworth, welche an diesem Tag seinen 29. Kampfeinsatz flog, Observer Sgt. Walter Edrward Need und WOp/Air Gunner Sgt. Donald Stephenson kamen dabei ums Leben.
  • Blenheim Mk.IV T2039, code SR der 101 Squadron setzte ein SOS ab und gilt seit dem als vermisst. Unter ihnen der 19 jährige Sgt. Henry James Clarke und Sgt. G.C.H. Ward.
  • Blenheim Mk.IV R3744 code RT der 114 Squadron musste wegen technischen Problemen kruz nach dem Start ihr Bomben abwergen, welche in der Bond-Street in Norwich fielen und dort geringen Schaden anrichteten. Um 2150 machte Sgt. T.E. Barnes mit seiner Besatzung Sgt. Seward und Srgt. Walsh eine Bruchlandung in der Nähe des White House in Sprowston.
  • Wellington Mk.IC P9268, code OJ-A der 149 Squadron überschoss bei der Rückkehr um 0022 die Landebahn und fiel in einen Bombenkrater. Die Besatzung blieb unverletzt. Unter ihnen Sgt. JS Marr.
  • Wellington Mk.IC T2577, code KX der 311 Squadron - Kurz nach dem Start abgestürzt nach dem die Wellington Bäume gestreift hat. Pilot Officer Jaromir Toul, welcher die Flab-Einstellungen der Wellington falsch eingestellt hatte, starb später an den Folgen der Verletzungen. Sgt Jan Krivda, Sgt Jiri Janousek starben beim Absturz. Pilot Officer Vladimir Nedved und Sgt Doubrava blieben unverletzt. Nedved rettete Doubrava und Toul und wurde später mit der British Empire Medal (MBE) ausgezeichnet. Die drei Gefallenen wurden auf dem HONINGTON (ALL SAINTS) CHURCHYARD in SUFFOLK beerdigt.

In Mannheim verloren beim Angriff 34 Zivilisten ihr Leben und 81 wurden verletzt. 240 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört, darunter eine Schule und zwei Krankenhäuser. Im Laufe der Krieges sollte Mannheim über hundert weitere Male bombardiert werden. Originalvideo vom Morgen nach dem Angriff auf Mannheim 1940. Quelle Mannheimer Morgen

 

Vickers Wellington

Britischer Bomber vom Typ Vickers Wellington

 

Bristol Blenheim

Bristol Blenheim der Royal Air Force

 

Armstrong Whitworth Whitley_1

Armstrong Whitworth Whitley


Erste Bomben auf Basel

Obschon die Schweiz sich nicht im Kriegszustand befand, entschloss sich das Schweizer Armeekommando auf deutschen Druck hin auf den 7. November 1940 die landesweite Verdunkelung einzuführen. Dies jeweils von 22:00 bis 06:00 Uhr. Begründet wurde dies, dass Schweizer Städte ohne Verdunkelung als Lichtinsel auf Europas Festland den englischen Bombern als Orientierungshilfe dienten und so einseitig eine Kriegspartei unterstützten. In der Mitteilung des Armeekommando hiess es „Die Schweiz trifft diese Massnahme und nimmt die sich daraus ergebenen Risiken auf sich, weil sie die Erleichterung kriegerischer Handlungen irgendwelcher Art verhindern will“. Bis zu jenem verhängnisvollen 16. Dezember 1940 waren die Luftraumverletzungen ausländischer Flugzeuge zwar zurückgegangen, es konnte aber nicht festgestellt werden, ob dies nun die Folge der Verdunkelungsmassnahmen oder der ungünstigen Wetterverhältnissen war. Auf jeden Fall war es ab jenem Zeitpunkt fremden Flugzeugbesatzungen unmöglich, Nachts eine Schweizer Stadt von einer anderen in Europa zu unterscheiden wenn sie sich ihrer Position nicht sicher bestimmen konnten. Da Basel als Stadt an der Grenze zu Deutschland wurde Fliegeralarm fast immer erst ausgelöst, wenn die Flugzeuge schon über Stadtgebiet eingeflogen waren. Andere Städte im Landesinneren hatten durch die militärische Fliegerbeobachtung immer eine grössere Vorlaufzeit.

In Basel waren zudem die Zivilschutzmassnahmen bei der Bevölkerung nicht gut angekommen. Weder die Verdunkelung noch der Befehl der Entrümpelung der Estriche noch die Einteilung in eine Hausfeuerwehr. Der Eingriff in die Privatsphäre war den meisten Basler Bürgern zu gross. Wie unbeliebt die Massnahmen waren, zeigt sich im Umstand dass im Durchschnitt 350 Personen pro Nacht von der Luftschutzpolizei wegen unzureichender Verdunkelung verzeigt wurden. Obschon die Bevölkerung angewiesen war, bei Fliegeralarm den nächsten Luftschutzraum aufzusuchen, blieben viele einfach im Bett liegen um weiterzuschlafen oder aber sie gingen auf die Strasse, um die anfliegenden Flugzeuge zu beobachten. So war es auch in der Nacht des 16. Dezembers 1940.

Verdunkelungslampe Schweiz

 Ein für die verdunkelung hergestellte Lampe mit Aluminiumgehäuse und blauer Scheibe

Einige der jungen Bomberbesatzungen der Royal Air Force, welche im Laufe des Nachmittags des 16. Dezember 1940 mit ihren Maschinen von den verschiedenen Airfields in England mit dem Ziel Mannheim aufstiegen sollten auf ihrem Weg durch die über dem Festland Europa wolkenlose Nacht bei der Berechnung ihres Kurses einen folgenschweren Fehler begehen. Einen Fehler der in Basel und Binningen vier Menschen das Leben kosten sollte.

Mehrere Maschinen kamen vom Kurs ab und entluden ihre Last über dem Gundeldingerquartier in Basel und über Binningen BL, in der Meinung, es handle sich um Mannheim. Nach einem mehrstündigen Flug lag vor ihnen ein Wohngebiet welches verdunkelt war. Ein Fluss mit einer markanten Biegung und einen grossen Güterbahnhof. Das ursprüngliche Ziel Mannheim lag jedoch 230 Kilometer nördlich von Basel. Die Bomber flogen aus nördlicher Richtung, vom Elsass her in etwa 1000 Meter Höhe auf Schweizer Gebiet ein. Sie konnten jedoch, obschon klares Wetter herrschte von der Luftbebachtung nicht identifiziert werden. Weder im benachbarten Ausland noch in der Schweiz wurde Flakfeuer zur Abwehr wahrgenommen. Die erste Bombe, angekündigt durch ein charakteristisches Heulen, explodierte mit einer gewaltigen Detonation um 23:07:35 (gemäss der seismologischen Registrierung der meterologischen Anstalt oberhalb des Margarethenparks) in der Centralbahnstrasse vor dem Bahnhofsgebäude der Bundesbahnen. Diese Bombe fiel zuerst auf das Dach des Ostflügels des Bundesbahnhofes, von welchem diese abrutschte und vis-a-vis des Restaurant Tivoli und des Hotel Bristol auf dem Trottoir landete wo sie explodierte. In weitem Umkreis war vor allem der Schaden an Fenstern enorm. Am Bahnhofsgebäude wurde lediglich ein kleines Stück Fassade herausgerissen. Jedoch wurde ein Taxi, welches auf dem Taxistandplatz in derselben Strasse stand, komplett durchsiebt und sein Chauffeur durch Splitter leicht verletzt.

Bahnhof SBB

 Detailplan der Einschläge rund um das Bahnhofsgebäude und auf die Gleise der Bundesbahnen

Im Grossteil Basels vibrierten die Fensterscheiben. Nach den ersten Einschlägen flüchteten sich viele Passanten die zufällig in der Nähe waren haben ins Bahnhofsgebäude. Das Bahnhofsbuffet 2 hatte sich schlagartig geleert. Die Gäste waren nach dem ersten Einschlag, als alle Fenster zu den Perrons zertrümmert wurden, geflohen. Einige begaben sich umgehend in den Luftschutzraum. Andere suchten Schutz in der Unterführung in welchem sich die Personen über das erlebte austauschten. Dazu gestossene Bahnbeamte steigerten das Unbehagen, als sie bei ihrer Ankunft den Schutzsuchenden erklärten, dass der Bahnhof das Ziel eines grösseren Bomberangriffs sei. Zumal kurze Zeit später weitere Einschläge vernommen werden konnten. Die Passanten wurden daraufhin energisch aufgefordert, Schutz in Luftschutzräumen zu suchen. Im nach hinein wurde festgestellt, dass viele der Schutzräume beim Bundesbahnhof schlecht oder gar nicht gekennzeichnet waren und deshalb zahlreiche Schutzsuchende sich in die Unterführung flüchteten.

 

Bomben auf Basel 1940_7

 Aufräumarbeiten an den Gleiesanlagen des Centralbahnhofes

Zwei weitere Brisanzbomben fielen auf die Gleisanlagen der Bundesbahnen. Bei drei im Bahnhof abgestellten Zugkompositionen mit etwa 60 Personenwagen wurden durch die Druckwelle sämtliche Scheiben zerstört. Viele wiesen verschieden grosse Splitterschäden an Aussenwänden, wie auch an den Bestuhlung auf. Weiter wurden zwei Geleise und Oberleitungen bei den Einschlagstellen schwer beschädigt. In Folge wurde die Stromzufuhr des Schienennetzes abgeschaltet. Im laufe des folgenden Tages wurde mit Dampfloks versucht, den Schienenverkehr einigermassen aufrecht halten. Die Zugänge des Bahnhofes wurden vom Militär abgesperrt. 

 

Bomben auf Basel 1940_27   Zerstörter Eisenbahnwagen

 Zerstörte Eisenbahnwagen der SBB 


Erste Opfer am Winkelriedplatz

Um 23:09, zwei Minuten nach den ersten Einschlägen ertönte in Basel endlich der Fliegeralarm. Kurz danach, um 23:11:34, erfolgte die zweite Reihe von Einschlägen um den Winkelriedplatz. Die Basellandschaftliche Zeitung erwähnt in ihrer Ausgabe vom 17. Dezember 1940, dass der Fliegeralarm auch im 13 Kilometer entfernten Liestal wahrgenommen wurde und die Detonationen in Basel die Fensterscheiben erzittern liess. Jedoch ging man zu dieser Zeit davon aus, dass fremde Flugzeuge Haltingen bombardieren würde.

Um 23:16 ging in der Meldezentrale der Berufsfeuerwehr Basel die erste von Dutzenden von Meldungen über Bombeneinschläge und Schäden ein: „Es ist eine Brandbombe auf unser Haus gefallen, es brennt Winkelriedplatz 5“. Die ständige Feuerwache Basel rückte umgehend mit 14 Mann mit der Motorspritze MS2 und Drehleiter DL4 aus. Die Luftschutzkompanien mussten unverzüglich in ihre Kompaniestandorte einrücken und allerorts wurden Luftschutzkeller geöffnet. Die eintreffende Besatzung der Berufsfeuerwehr Basel konnte vor Ort zwar keinen Brand feststellen traf jedoch auf verheerende Schäden an Strasse und Gebäude. Die Bewohner der Liegenschaft Winkelriedplatzes 5 hatten den Feuerschein der Explosionen und die Einschläge in ihrem Haus wahrgenommen.

4 Sprengbomben waren parallel, in Abständen von 10 Meter, zur Strasse des Winkelriedplatz, bis hin zur Sempacherstrasse eingeschlagen und haben Krater von bis zu 1,5 Meter und 3-4 Meter Durchmesser hinterlassen Die letzte der Bomben, dem Krater nach zu urteilen die grösste, war gleich vor dem Haus Sempacherstrasse 34 eingeschlagen. Ein Krater von 2 Metern Tiefe und 4 Meter im Durchmesser hatte sich aufgetan. 50 Meter davon lag eine zentnerschwere Treppenstufe aus Granit, die irgendwo abgerissen und weggeschleudert worden war. Die Wasser- und Gasleitung waren aufgerissen und die Erdgeschossmauer bis 1,50 Meter unter Terrain zerstört. Das Wasser ergoss sich im ganzen Keller und überflutete diesen. In weitem Umkreis lagen abgerissene Fensterläden, grosse Baumäste, Millionen von Glassplittern, scharfer Schotter und zerrissene Metallteile der Sprengbomben. Die meisten Bäume im Park hatten Splitterschäden erlitten. Fast alle Fassaden um den westlichen Teil des Winkelriedplatzes wiesen kleinere und grössere Löcher auf. Die Gebäude am Ende des Platzes, (Sempacherstrasse 30-34) liessen gravierende Schäden und tiefe Einschlaglöcher erkennen. Sämtliche Fenster waren geborsten und die Fensterläden und Rolladen bis in den 3 Stock hinauf herausgerissen. Die Kandelaber der Strassenbeleuchtung waren geknickt. Von der öffentlichen Telefonkabine an der Sempacherstrasse waren nur das Gerippe und der Telefonapperat übrig, welcher jedoch noch funktionierte.

Die Metzgerei Orth an der Dornacherstrasse 89 war durch die Druckwelle und die Wucht der Explosion komplett in Trümmern gelegt worden. Mehrere Splitter flogen im selben Haus an einer schlafenden Frau vorbei in ihren Kleiderkasten, der durch die Wucht zerbarst. Die Dame kam mit dem Schrecken davon. In der Frobenstrasse, welche parallel zur Sempacherstrasse verläuft, wurde in einem Restaurant einem Gast der Stuhl unter dem Gesäss weggerissen und die Serviertochter an der Hand verletzt.

Im Hausgang des Eckhauses am Winkelriedplatz 1 wurde die Damenschneiderin Frau Frieda Zorn (geb. 1899) durch Bombensplitter tödlich verletzt. Sie war beim Fliegeralarm mit ihrer zweijährigen Tochter in den Keller gegangen. Um eine Jacke für ihre Tochter Adelheid zu holen kehrte Frau Zorn wieder in ihre Wohnung zurück. Auf dem Weg wurde sie im Hausflur durch Splitter tödlich verwundet. Ihre Tochter und weitere Verwandte blieben unverletzt. Frau Zorns Mann Otto war zur Zeit der Einschläge nicht zu Hause. Er diente in jenen Tagen als deutscher Staatsangehöriger bei der Wehrmacht. Frau Frieda Zorn war das erste Todesopfer in Basel während des 2. Weltkrieges. In den anderen betroffenen Gebäuden wurden weitere vier Personen leicht verletzt. Andere, welche einen Schock erlitten hatten, wurden ebenfalls mit dem Krankentransport ins Bürgerspital überführt.

Bomben auf Basel 1940_1

Aufräumarbeiten vor der Sempacherstrasse 34

 

Bomben auf Basel_1

 

Sempacherstrasse 34 während der Aufräumarbeiten

Um die Gebäude Sempacherstrasse 34 zu evakuieren, musste die Feuerwehr mit einer Handschiebeleiter einen provisorischen Steg über den Bombenkrater anlegen. Zusammen,  mit der in der Zwischenzeit eingetroffenen Luftschutzkompanie, wurden die Mieter aus der Liegenschaft evakuiert. Ebenso die Bewohner der Liegenschaft 32, da durch die grosse Druckwelle der eingeschlagenen Bomben vor dem Nebenhaus an verschiedenen Innenwänden im Gebäude grosse Schäden verursachten. Die meisten Evakuierten kamen bei Verwandten und Bekannten unter und andere in einem Luftschutzraum in der Nähe. Technische Einheiten des Luftschutzes begannen noch in der Nacht mit der Reparatur der aufgerissenen Gas- und Wasserleitung sowie der wieder-instand-Stellung der Strassen und Beleuchtung. Im laufe der Nacht trafen der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, Fritz Brechbühl, zusammen mit dem Kommandant des Basler Luftschutzbataillons, Major Sommer, sowie mit Polizeimajor Bloch auf dem Schadenplatz ein, um mit einem Aufgebot von Polizisten den Ordnungsdienst zu übernehmen.

 

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Soldaten einer Luftschutzkompanie bei Aufräumarbeiten Sempacherstrasse


Rückkehr der Bomber

Kurz nach Mitternacht wurden aus südlicher Richtung wieder Motorengeräusche wahrgenommen. Man ging davon aus, dass die zwei bis drei Bomber nach den ersten Abwürfen in weitem Bogen in das Leimental, bis etwa Höhe Flüh geflogen und gekehrt hatten für weitere Abwürfe über Basel. Um 00:11:15 explodierten die ersten Bomben in Binningen. Gemeldet wurden die ersten Einschläge von den Beobachtungsposten 1 und 2 auf den Binninger Höhen. Diese wurden kurz nach dem Fliegeralarm vom Territorialkommando besetzt. Um 00:18 gingen bei der Meldezentrale der Feuerwehr Basel mehrere Meldungen über Brand- und starke Rauchentwicklung infolge der Bombeneinschläge ein.

 

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Das zerstörte Haus der Familie Zeller am Höhenweg 19 in Binningen - Blick Seite Neusatzweg

Um 00:24 wurde die Feuerwehr Binningen alarmiert. Um 00:29 erfolgt die Rückmeldung via Bote …. Höhenweg 19 total in Trümmern. Sofort wurden 21 Mann des technischen Dienstens, der Feuerwehr Binningen und der Lufschutzkompanie mit Kreislaufgeräten, Schaufeln und Pickeln sowie Bahren an den Höhenweg entsandt. Das FW Pikett der Berufsfeuerwehr Basel machte sich ebenfalls auf den Weg nach Binningen.

Ähnlich wie kurz zuvor in Basel, bot sich den Rettern vor Ort ein Bild der Zerstörung. Vier Brisanzbomben, waren auf der Kreuzung Höhenweg – Neusatzweg eingeschlagen. Dabei wurde das Haus Nummer 19 regelrecht auseinandergerissen. Die Westfassade des Parterre fehlte gänzlich. Das Dach war komplett eingestürzt und die Balken und Dachlatten ragten in alle Richtungen. Die Trümmer lagen weit verstreut um das Haus und auf der Strasse. Nachbarn hatten schon vor dem Eintreffen der ersten Rettungskräfte Yvonne Zeller (geb. 1925), die ältere Tochter der Familie mit einer Leiter mit leichten Verletzungen aus dem ersten Stock gerettet. Auch der Vater, welcher im ersten Stock auf der Südseite in seinem Bett geschlafen hatte, konnte von Nachbarn geborgen werden. Er wurde bei der Explosion mitsamt seines Ehebettes in den Garten geschleudert und dort von Trümmern gebrraben. Valerie (geb. 1898), ihre Tochter Elisabeth (geb. 1933) befanden sich zum Zeitpunkt des Einschlags im östlichen Eckzimmer im ersten Stock. Elisabeth war, wie alle Mitglieder der Familie vom Fliegeralarm geweckt worden. Anstatt in den Keller zu gehen, blieben alle in ihren Betten liegen. Einzig Mutter Valerie ging in das Zimmer des Mädchens, da diese zu weinen begonnen hatte. Beide wurden von herabfallenden Dachbalken getroffen und konnten trotz grossen Einsatzes der Helfer erst gegen 01:30, resp. 02:00 nur noch tot geborgen werden. Ebenso wie ihre verwitwete Mutter Maria Boltz (geb. 1872). Sie schlief ebenfalls im ersten Stock. Ihre Leiche konnte erst nach Stunden im Parterre geortet und geborgen werden.

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Das zerstörte Haus der Familie Zeller am Höhenweg 19 in Binningen

Auch weitere Liegenschaften am Höhenweg wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Am Höhenweg 22, schräg vis-a-vis der komplett zerstörten Liegenschaft Höhenweg 19, sprengte eine Bombe die Aussenwand vom Keller bis in den ersten Stock mit grösseren Teilen der Fassade weg. Die Meldungen über die Rettung der beiden Kinder Jean-Pierre und Lucette Merz, welche sich zusammen mit ihren Eltern im besagten Haus aufgehalten haben, waren sehr widersprüchlich. Die Meldungen gehen von Bergung durch Anwohner, bis hin zur eigenen Flucht durchs mit Splittern übersäte Haus ins Schlafzimmer der Eltern. Jean-Pierre Merz bestätigte mir im Jahr 2015, dass sie beide alleine aus den Zimmern fliehen konnten. Er wurde von mehreren Backsteinen, die in sein Bett fielen zwar begraben, konnte sich aber selbst befreien. Beide iKinder blieben oder weniger unverletzt.  

An der Rottmannbodenstrasse, bei welcher eine Brandstabbombe in einen Schopf einschlug und davor brennen liegend blieb, löschte eine Hausfrau, die kurz zuvor einen Kurs als Luftschutzwart absolviert hatte, die Brandbombe mit Sand. Weitere 53 Brandstabbomben welche in einem 300 Meter breiten Streifen zwischen der Kreuzung Höhenweg / Neusatzweg bis hin zur Kreuzung Paradiesstrasse / Martelistrasse, auf unbesiedeltes Acker- und Wiesenland niedergingen, richteten wegen der schwachen Besiedelung in diesem Gebiet und dem weichen Boden keinen nennenswerten Schaden an. Da die Brandbomben jeweils bündelweise abgeworfen wurden, zogen sich drei Streifen mit etwa 50 Meter Abstand durch das Gelände. Die meisten Brandbomben ragten noch fünf bis zehn Zentimeter aus dem Boden. Vielen von ihnen wurden vor der Bergung des Luftschutzes durch Jugendliche und andere Zaungäste als Souvenir mitgenommen und blieben grösstenteils verschollen.

Einschläge Binningen

Einschlagskarte der Brinsanz- und Brandbomben über Binningen 

Höhenweg Binningen

Kartenausschnitt Höhenweg 

Im Nachrichtenjournal des Luftschutzes ist zu entnehmen:

I.  Sprengbombeneinschläge: Drei, vermutlich vier, alle im Strassenkreuz Höhenweg / Neusatzweg

  1. Bombentrichter:         5 m Durchmesser, 2 1/2 m tief, Im Garten Liegenschaft Merz Höhenweg 22
  2. Bombentrichter:         5 m Durchmesser, 2 1/2 m tief, im Garten Liegenschaft Dr. Goetschel, Höhenweg 21
  3. Bombentrichter:         1,5 m Durchmesser, 1 m tief, Strassenrand an Liegenschaft Jundt, Höhenweg 18
  4. Bombentrichter:         (vermutlich im 1. Stock exlodiert, da kein Trichter feststellbar) Liegenschaft Zeller, Höhenweg 19

II.   Brandbombeneinschläge:  Anzahl noch nicht genau festgestellt. ca 30 bis 50, in 300 m breitem Streifen zwischen Strassenkreuz Höhenweg/Neusatzweg, südwestwärts bis zu Strassenkreuz Paradiesstrasse Martelistrasse.

III.  Schadenstellen:          

  1. Liegenschaft Merz Fritz, Höhenweg 22 - An Ostfassade südliche Hälfte Kellerwand, Parterre und 1. Stock eingedrückt. Kleiner Knabe 1. Stock konnte unversehrt aus dem Bett kriechen, trotzdem grosse Partien der eingestürzten Wand auf dem Bett lag. Übrigen bewohner unverletzt.
  2. Liegenschaft Goetschel, Höhenweg 21 - Haustüre Nordseite eingedrückt. Erde und Glasüpitter im ganzen Haus, Dach beschädigt, Fenster und Rahmen zum Teil weggerissen.
  3. Liegenschaft Jundt-Hufschmid, Höhenweg 18 - Fenster und Fensterrahmen zum Teil eingedrückt, weitere Schäden an den umliegenden Häuser werden noch festgestellt und rapportiert.
  4. Liegenschaft Zeller-Boltz, Höhenweg 19 - Einfamilienhaus, bestehend aus Keller, Parterre, 1. Stock und Dachboden. bewohnt von 5 Personen. Der Dachboden mit Dach eingestürzt. Auf der westlichen Seite, vermutlich die Einschlagstelle ist auch der 2. Boden eingestürzt. Keller und Kellerdecke überall intakt. Trümmer liegen rings um die Liegenschaft fast gleichmässig.

Weitere kleinere und mittelgrosse Schäden, vor allem durch Brandbomben, gab es an Fenstern und Dachziegel vom Holeerain, Bündtenweg, Kernmattstrasse bis hinauf zur Rottmannbodenstrasse. Bis zum Mittag des 18. Dezembers gingen in Binningen über 40 Schadenmeldungen ein. Bei den Aufräumarbeiten am Tag nach den Angriffen wurde unter dem Schutt bei der Liegenschaft Höhenweg 22 der Familie Merz ein Blindgänger entdeckt. Da man schon im Vorfeld einen Blindgänger vermutete, wurden Spezialisten der schweizerischen Munitionsfabriken herbeigezogen.

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Jean-Pierre und Lucette Merz am Tag nach dem Bombardement

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Höhenweg 22 – In diesem Haus überlebten Jean-Pierre und Lucette Merz

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 Passive Luftschutzsoldaten beim Aufräumen am Höhenweg am 17.12.1940


Rohbau schwer getroffen

Die vierte Serie von Abwürfen, welche sich wieder mit lauten Pfeiffen angekündigt hatte schlugen um 00:30:41 auf Boden des Kantons Basel-Stadt ein. Dies geschah in unmittelbarer Nähe der arbeitenden Luftschutzsoldaten die am Winkelriedplatz mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Der Rauch dieser vier Sprengbomben zog sich rasch über den Platz. Die Bomben trafen unter anderem einen leer stehenden Neubau, welcher nach seiner Fertigstellung einen Luftschutzkeller und eine Sanitätshilfestelle beherbergen sollte. Er lag an der Kreuzung Solothurnerstrasse / Pfeffingerstrasse, Güterstrasse 170. Auf seinem Dach widerstand ein mit bunten Bändeln verziertes Aufrichtbäumchen dem Angriff. Das Gebäude wurde stark beschädigt. Die Bombe war durch das Ziegeldach durch die oberen Stockwerke bis in das Erdgeschoss geschlagen, wo sie dann explodierte. Einige Zwischenwände wurden durch die Wucht weggesprengt. Eine Stützmauer zum Garten hing nur noch an den eingezogenen Leitungen. Hier zeigte sich, dass die neuen Bauvorschriften der Luftschutzkeller sinnvoll waren, da die Bombe die Kellerdecke nicht durchschlagen konnte.

 

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Güterstrasse 170– Durchschlag durch die Böden der oberen Stockwerke

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Güterstrasse 170

Im gegenüberliegenden Industriegebäude waren sämtliche Scheiben zerborsten. Dem Eisenwaren- und Haushaltsgeschäft Kuhn, welches sich im Parterre eingemietet hatte, war die ganze Weihnachtsauslage von Splittern übersät. Obschon auch die Wohnung der Ladenbesitzer mit Glas- und anderen Splittern übersäht war, blieben alle wie durch ein wunder unverletzt. In der Güterstrasse 165 hatte eine Bombe das Haus von oben bis unten aufgerissen, sowie den Hauseingang verschüttet. Die Bombe bohrte sich in den Vorplatz und durch die Kellermauer der Liegenschaft 167, wo der 1'000-Pfund-Sprengkörper als Blindgänger liegen blieb. Die schweren Fensterrahmen des gutbürgerlichen Einfamilienhauses lagen auf der Strasse. Grosse Trümmersteine waren bis zu 50 Meter weit weggeschleudert worden. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon, mussten jedoch die Liegenschaft räumen. Das Gebäude wurde bis zum Abtransport des Blindgängers unter militärische Bewachung gestellt. In der Hausnummer 163 war eine Bombe in den weichen Garten gefallen und hatte ausser einem grossen Krater und Schäden an den Fenstern keinen nennenswerten Schäden verursacht. Auch hier wurde kurze Zeit später eine weitere Luftschutzkompanie eingesetzt, um allfällige Schäden so rasch als möglich zu beheben.

 

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Güterstrasse 165. Der Blindgänger blieb im Keller der Liegenschaft 167 liegen

Gundeldingerquartie

Einschlagskarte des Gundeldingerquartieres nach den Abwürfen mehrerer Brisanzbomben in der Nacht vom 16./17. Dezember 1940


 

Reaktionen

Kurz nach dem End-Alarm um 01:32 bildeten sich in der Güterstrasse innert kürzester Zeit, trotz der späten Zeit, grössere Menschenansammlungen. Ein anwesender Luftschutzoffizier liess deshalb umgehend das Gebiet grossräumig absperren. Nach der Meldung über den Fund des Blindgängers in Binningen wurden die Luftschutztrupps angehalten nach allfälligen weiteren Blindgängern zu suchen. Zudem wurde festgestellt, dass eine Brisanzbombe mit einem sensiblen Zünder auf dem Dach der Liegenschaft Nauenstrasse 8 expoldiert war, ohne jedoch grossen Schaden anzurichten. Da es auch am Tag nach den Angriffen immer mehr Zaungäste an die unterschiedlichen Einschlagstelle, vor allem am Winkelriedplatz und in der Güterstrasse zog, wurden Posten aufzogen, um grössere Menschenansammlungen zu verhindern. Trotzdem tauschten sich Luftschutzmänner und Anwohner in kleinen Gruppen ruhig und gefasst über das erlebte der letzten Nacht aus. Vielen der Anwesenden waren beim Fliegeralarm nicht in die Keller gegangen. Die Bombardierung war eine schreckliche Lehre, denn alle zu beklagenden Personenschäden betrafen Personen, welche nicht Schutz in einem Keller gesucht hatten.

Bis auf den Blindgänger in der Güterstrasse 167, welcher die Aussenmauer zum Garten durch bohrt hatte, hielten alle Keller stand. Handwerker hatten in den folgenden Tagen allerhand zu tun. Vor allem Fensterscheiben mussten ersetzt werden. Ein hiesiges Geschäft hatte am Dienstag schon Aufträge für die 500m2 Fensterglas benötigt wurden. Weiter wurden die Telefonleitungen zum Bruderholzquartier zerstört, so dass die ganzen Leitungen zum grössten Teil neu angeschlossen werden mussten. Die Versicherungsgesellschaften wiederum lehnten alle Anträge für Glas- und Gebäudeschäden ab und wies die Geschädigten an, ihre Forderungen dem Territorialkommando durchzugeben.

Am Dienstag, 17. Dezember war Inspektor König vom passiven Luftschutz aus Bern in Basel eingetroffen um sich vor Ort unter der Führung des Ortsleiters kantonalen Luftschutzorganisation ein Bild der Zerstörung und Aufräumarbeiten zu machen. Die Güterstrasse zwischen Solothurner- und Pfeffingerstrasse blieb bis auf weiteres wegen des Blindgängers in der Güterstrasse 167 für den individual-, wie auch den Tramverkehr gesperrt. Spezialisten aus Thun waren aufgeboten worden, um die Herkunft des Sprengkörpers zu bestimmen, sowie dessen Abtransport und Entschärfung durchzuführen.

Basler Nachrichten und Basellandschaftliche Zeitung vom Mittwoch, 17.12.40 Der Armeestab teilt mit: In der Nacht vom 16. auf 17. Dezember 1940 warfen fremde Flugzeuge mehrere Bomben über Basel ab, die im Gundeldingerquartier und im Areal des Güterbahnhofes einschlugen. Einige Bomben fielen auch auf Binningen. Es sind vier Menschenleben zu beklagen. Mehrere Personen wurden verletzt und es entstand ganz beträchtlicher Sachschaden. Eine Untersuchung über die Herkunft der Bomben ist im Gange. Der Angriff hatte in Basel grosse Empörung und Erregung ausgelöst, aber zur Panik kam es nicht. Die Bürger wurden einfach kritischer und den meisten wurde erst jetzt klar, in welcher Lage sich Basel als Grenzstadt nun befand. Bisherige Luftraumverletzungen waren meist ohne Schaden glimpflich verlaufen (klammert man die Luftkämpfe im Mai und Juni 1940 zwischen der Schweizer und Deutschen Luftwaffe über dem Jura aus) und zum Teil durch widrige Umstände zustande gekommen.

Die Basellandschaftliche Zeitung vom 18. Dezember 1940 schreibt in ihrer Ausgabe, dass es sich um einen gezielten Angriff auf Bahnanlagen gehandelt hätte, jedoch ohne das Wort „ der Bundesbahnen“ hinzuzufügen. Weiter unterstrich der Redaktor die seiner Meinung nach grosse Pflichtvergessenheit der fremdländlichen Piloten. Sie hätten in diesem Fall grob fahrlässig ihre Sorgfaltspflicht verletzt und sich nicht vergewissert, wo sie ihre Bombenlast abwarfen. Weiter wurde der Einsatz von Soldaten anderer Nationalitäten in der Royal Air Force kritisiert. Sie kämen aus Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika und hätten grösste Probleme mit dem europäischen Topographie. Was der damalige Schreiber nicht wissen konnte, dass bis auf die 311. Bomber Squdron, welche eine tschechische Staffel war, alle eingesetzten Squadrons britisch waren und bei denen nur vereinzelnd Crewmitglieder der oben genannten Länder im Einsatz standen.

Obschon es für viele Teile der Bevölkerung eine ungemütliche Nacht war, wurden Meldungen über Opfer und Sachschäden in die Aussenbezirke und den ländlichen Gebieten ohne Übertreibungen überraschend ruhig und sachlich weiterverbreitet. Auch wenn man sich im Armeekommando und der Schweizer Regierung im klaren war, welche Folgen die Verdunkelung haben konnte, sollte diese bis weit nach 1944 in Kraft getreten bleiben.

Die baselstädtische Regierung hatte telegraphisch bei der Landesregierung einen Tag nach den Bombenabwürfen erfolglos um eine sofortige Aufhebung der Verdunkelungsvorschriften für die Grenzregion verlangt. Da die Nacht sternenklar und die Sicht dementsprechend sehr gut war, hatte gemäss Armeekommando die Verdunkelung keine Rolle beim Angriff gespielt. Die Stadt hätte ohne Probleme aus der Luft identifiziert werden können. Fakt ist: Viele der jungen Bomberbesatzung waren unzureichend ausgebildet. Ihre Navigationsmöglichkeiten und ihre eigenen geographischen Kenntnisse ungenügend. Obschon mindestens 2-3 Maschinen zusammen nach Basel anstatt nach Mannheim flogen zeigt auch, dass selbst wenn mehrere Maschinen zusammen geflogen sind, dieser Irrtum nicht bemerkt werden konnte. Eventuell war der Wille dazu auch nicht vorhanden denn die Verluste an Mensch und Material der Royal Air Force waren auch trotz Nachangriffen enorm. Da Bomberbesatzungen auch immer über ein oder mehrere Ausweichziele zu den primären Angriffzielen hatten, muss davon ausgegangen werden, dass die Besatzungen auf der Suche nach einer anderen Deutschen Stadt waren, die sie angreifen konnten.

Da jedoch die allgemeine Verdunkelung keine 6 Wochen vor dem besagte Angriff in der Schweiz eingeführt wurde, lässt auch viel Spielraum zu Spekulationen Ein gezielter Angriff auf eine Grenzstadt der Schweiz als Vergeltung für die allgemeine Verdunkelung und als Warnung der Gefahren für diese Städte ist nicht zu beweisen aber auch nicht ganz auszuschliessen. Keine Woche später, in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember WURDE Zürich Opfer eines ähnlichen Vorfalls, wobei auch dort grosse Schäden an und um Bahnanlagen zu beklagen waren. Im Bundeshaus hatte am 17. Dezember 1940 Bundespräsident Pilet-Golaz den Bundsrat über die Bombenabwürfe informiert. Man ging zu diesem Zeitpunkt schon davon aus, dass es sich um britische Flugzeuge gehandelt hatte, was sich kurze Zeit später dann auch bewahrheitet hatte. Der Bund hatte die Angriffe und vor allem der Verlust von Menschenleben bedauert, jedoch blieb man wie schon erwähnt hart im Bezug auf die Durchsetzung der Verdunkelungsvorschriften. Die Bundesregierung brachte klar zum Ausdruck, dass man auf diplomatischen Weg Protest, sowie Wiedergutmachung verlangen werde.

Aus den Basler Nachrichten vom Mittwoch, 18.12.1940: Das Eidgenössische Politische Departement teilt mit: Nachdem die Untersuchung die britisch Nationalität der Flugzeuge, welche das Gebiet unter Verletzung der schweizerischen Neutralität überflogen haben sowie die britische Herkunft der auf dem SBB Bahnhof von Basel und die benachbarten Stadtviertel abgeworfenen Bomben ergeben hat, ist die schweizerische Gesandtschaft in London beauftragt worden, gegen die neue Bombardierung einer Schweizerstadt einen umso strengeren Protest zu erheben, als der Vollmond und der Schnee eine vollkommene Sicht gewährten und den Piloten gestattete sich mit Leichtigkeit zu orientieren. Die Gesandtschaft wird die vollständige Gutmachung der Schäden verlangen, und erneut darauf dringen, dass alle Massnahmen ergriffen werden, um die Wiederholung dieser tragischen Zwischenfälle zu verhindern.

Die deutsche Presse am 17.12.1940 sprach in nie da gewesener Aufmachung von einer flagranten Neutralitätsverletzung von Seiten der Engländer gegenüber der Schweiz. Der Völkische Beobachter schrieb dazu: „Die Engländer haben damit erneut, wie früher in unzähligen Fällen auch andere neutrale Länder, eine traurige Illustration ihrer Behauptung geliefert, dass sie für die Freiheit der kleinen Nationen kämpfen.“ Dazu wurde festgestellt, dass die Wetterverhältnisse und die Mondklarheit einen Irrtum ausschliessen würden und sich die Schweiz mit allen nur denkbaren Mitteln zur Wehr setzen werde.

Das diese Meldung natürlich nur der Propaganda diente zeigt, dass nur Monate zuvor Deutschland die neutralen Staaten Dänemark, Norwegen, Belgien, Luxenburg und die Niederlanden angegriffen und eingenommen haben. Das deutsche Reich hatte sich im Umgang mit Neutralen auch nicht durch Behutsamkeit ausgezeichnet; aber dieser Vorfall bot eine gute Angriffsfläche gegen Grossbritannien. In den folgenden Tagen trafen eine ganze Reihe von Delegationen verschiedener Gemeinden und Luftschutzorganisationen beim Ortsleiter in Basel ein, um sich ein Bild der Lage, der Trümmer und der Luftschutzstellen zu machen. Ebenfalls zugegen waren Städtedelegationen aus Winterthur, Biel, Genf und Bern. 

Ausschnitt aus der Film Wochenschau vom 20. Dezember 1940
Die Aufnahmen entstanden Güterstrasse 170, Sempacherstrasse (Winkelriedplatz) und an der Güterstrasse 165.
Schweizer Filmwochenschau (SFW) ©Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Abschied

Am Donnerstagnachmittag, den 19. Dezember 1940 versammelten sich Freunde und Bekannte der in Basel zu Tode gekommenen Frieda Zorn-Roth in der Abdankungshalle des Friedhofs am Hörnli. Unter den Trauergästen der baselstädtische Regierungsrat Dr. A. Im Hof, sowie der deutsche Konsul Gerrit Freiherr von Haetten und der Ortsgruppenführer der NSDAP. Die Leichenhalle und der Sarg war geschmückt mit Blumenschmuck und Kränzen, darunter welche der Deutschen Kolonie und des Deutschen Konsulats.


Blindgänger

Der Blindgänger, welcher in der Güterstrasse 167 sich bis in den Keller gebohrt hatte, dort aber nicht explodiert war, konnte erst am Freitag, den 20. Dezember geborgen werden. Unter dem Kommando von Hauptmann E. Henner arbeiteten der technische Dienst einer Luftschutzkompanie fast vier Tage lang und beträchtlichen Schuttmassen beiseite zu schaufeln und einen seitlichen Eingang in den Keller freizulegen. Zudem musste der Keller wegen Einsturzgefahr von unten und der Seite verspriesst und abgestützt werden.

 

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Der Blindgänger im Keller der Liegenschaft Güterstrasse 167 am Morgen des 17.12.1940

Während dieser Arbeiten hatten ein halbes Dutzend unerschrockene Luftschutzsoldaten unter der Leitung von Lt. Rosenblatt den Blindgänger freigelegt. Um die Bombe bergen zu können, sperrte ein Militäraufgebot das Gebiet grossräumig ab. Und zwar von der Hochstrasse, durch die Zwinger- und Dornacherstrasse bis hin zur Sempacherstrasse, an welcher man auch noch am Arbeiten war. Die Anwohner wurden angewiesen sich in die Keller zu begeben und die Fensterläden geschlossen zu halten. Unterdessen hatte sich eine ganze Fülle von Führungspersönlichkeiten vor Ort eingefunden. Der Feuerwehrinspektor, der Kommandant der ständigen FW Basel, Ortsleiter des Luftschutzes, sowie der Platzkommandant, sowie ein Sprengingenieur der Eidg. Kriegstechnischen Abteilung. Auf eigene Gefahr hin waren sogar Presseleute und Pressefotografen zugelassen. Mit einem Flaschenzug wurde die 1000 Pfund schwere Bombe Stück für Stück aus dem Keller gezogen.

Blindgänger Güterstrasse 167

Mit einem Flaschenzug wurde die 1000 Pfund Bombe aus dem Keller geborgen

Um 11:20 war die Bombe im Freien und wurde sorgsam auf einen Anhänger des ACV, in ein Bett von Sandsäcken verladen. Erst jetzt wurde klar, dass es sich bei der Bombe um ein 500 Kilogramm schweren Blindgänger handelte. Die Experten waren bis dahin von einer 250 Kilogramm schweren Bombe ausgegangen. Anhand der Fabrikationsaufschrift wurde zudem festgestellt, dass die Bombe im August desselben Jahres hergestellt wurde. Der 1,40 Meter lange und 40cm dicke Sprengkörper besass immer noch seinen Zünder, den man aus nicht auszubauen versuchte hatte. Wegen eine platten Reifens verzögerte sich die Abfahrt dann nochmals und es war Mittag, als der Traktor mit der hochexplosiven Fracht sich in Richtung Gempen machte. 

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Explosive Fracht durch Basel

Zwei Luftschutzsoldaten setzten sich auf dem Anhänger, je links und rechts auf die Sandsäcke. Dem Zug voraus fuhr einem Polizeikorporal unterstellter Convoy, welcher die anfahrenden Strassenkreuzungen sperren liess. Die Fahrt führt dann über die Münchensteinerbrücke hinunter zum St. Jakob, über Münchenstein, Arlesheim und Dornach. Da musste dem Traktor Schneeketten montiert werden, damit dieser überhaupt Bergstrasse auf den Gempen unter seine Räder nehmen konnte. Um 14:45 erreichte man den vorgesehenen Punkt auf dem Gempenplateau. Der Blindgänger wurde nun wieder abgeladen. Man hatte dazu 600 Meter ausserhalb der Ortschaft wurde diese in einem etwas über einem Meter tiefen Loch niedergelegt und mit Trotyl und Schiessbaumwolle bedeckt und mit einer drei Meter langen Zündschnur versehen. Vier Minuten später erschütterte eine gewaltige Explosion Nuglar und Gempen. Zurück blieb ein viereinhalb mal zehn Meter grosser Krater im tiefgefrorenen Boden. Man kann sich vorstellen, was geschehen wäre wenn der unentschärfte Blindgänger auf dem Transport in einem Strassenzug innerhalb einer Ortschaft detoniert wäre. 6 Tage später wurden mehrere Arbeiter bei Aufräumarbeiten in Zürich nach dessen Bombenangriffen verletzt, als eine ähnliche Bombe, jedoch mit Zeitzünder versehen, kurz nach ihrem Eintreffen explodierte.

Pressefoto Central Press Association

 

Pressefoto der Central Press Association vom 13. Januar 1940

Am 21. Dezember wurden auch die drei Opfer von Binningen zu Graben getragen. Auf dem Gottesacker St.Margarethen war schon am Morgen eine Ehrenwache einer Territorial Einheit aufgezogen. Grosse Menschenmengen nahmen bei starkem Schneefall den Weg unter ihre Füsse um den verstorbenen Maria, Valerie und Elisabeth die letzten Ehre zu erweisen. Der Gesamte Regierungsrat des Kantons Basel.-Landschaft waren zugegen, sowie auch viele der Helfer unterschiedlicher Herkunft.

Am selben Donnerstag wurde im Basel Rathaus eine ausserordentliche Nachmittagssitzung abgehalten. Grossratspräsident Dr. E Dietschi nahm in seinen Worten zuerst herzlich Anteil am schweren Leid der Hinterbliebenen der 4 Todesopfer in Basel und Binningen und sprach im Namen des Grossen Rates den Familien sein Beileid aus. In seiner Rede wurde nochmals auf einzelne Details hingewiesen, wie die Tatsache, dass es sich bei den Bombern um solche der RAF gehandelt hatte. Er betonte auch nochmals, dass man dem Bundesrat beauftragt hatte, bei der zuständigen Regierung In London einen strengen Protest zu erheben, sowie das man auf eine vollumfängliche Wiedergutmachung zu verlangen. Zudem müssten von britischer Seite her alle Massnahmen ergriffen werden, dass sich solche Zwischenfälle nicht wiederholen würden. Nachdem die Regierung in Basel nur einen Tag nach dem Angriff dem Bundesrat telegraphisch aufgefordert hatte, die Verdunkelung vor allem der Grenzregionen wieder aufzuheben, war Dr. Dietschi sicher, dass der Regierungsrat und der Armeestab die Verdunkelungsmassnahmen nochmals prüfen würden, obschon diese unter Zwang der Verhältnisse seinerzeit getroffen worden sind. Weiter unterstütze der Regierungsrat die Geschädigten und ihrer Schadensansprüche. Der Bund würde dann den Schaden beim Verursacher geltend machen. Die Brandversicherungsanstalt helfe allen bei der Ermittlung der Schadenhöhe. Im Laufe der Schadensermittlung sollte sich herausstellen, das sich der Schaden auf ca. 700'000 Schweizer Franken bezifferte. Dr. Dietschi äusserte sich auch zu den vielen Meldungen über den verspäteten Einsatz des Fliegeralarms, welcher nach unterschiedlichen Meldungen erst 15 Minuten nach den ersten Einschlägen erfolgt sei. Er verlangte, dass weder das Parlament, noch die Presse was die Landesverteidigung betreffen darüber zu entscheiden haben, jedoch sollte die Bevölkerung die Gewissheit haben, dass alle notwendigen Vorkehrungen getroffen worden und die nötigen Lehren gezogen worden sind. Zu Schluss dankte er allen im Einsatz stehenden Einsatzkräfte die ihre Pflicht erfüllt hätten, von der ständigen Feuerwache Basel, bis hin zu den Luftschutzorganisationen. Er sprach ihnen den öffentlichen Dank aus.

Die Diskussion über den genauen Zeitpunkt des ertönen des Fliegeralarms war noch eine Weile ein Thema in der Bevölkerung, aber auch in der Presse. Nach dem offiziellen Berichten der Feuerwache Basel erfolgte der Fliegeralarm um 23:09, in den Unterlagen der Gemeinde Binningen steht jedoch 23:28. In anderen Mitteilungen von Armee und Zeitungen sind dazu weitere unterschiedliche Zeitangaben zu finden. Von 23:18 (offizielles Communiqué Armee vom 17.12.40) bis hin zu 23:28 Uhr (Basler Nachrichten vom 17.12.40). 23:09 muss jedoch als die am ehesten zutreffenste gewertet werden, da mehrheitlich die Zeugenaussagen übereinstimmen, dass der Alarm definitiv vor der zweiten Folge von Einschlägen am Winkelriedplatz um 23:11 erfolgte und alle Einschläge von der seismologischen Registrierung der metrologischen Anstalt erfasst wurden. Zudem war die am Winkelriedplatz umgekommene Frau Zorn bei den Einschlägen, bei dessen Explosion schon wieder auf dem Rückweg aus dem Keller, welche sie nach Ertönen des Fliegeralarms mit ihrer Tochter aufgesucht hatte. Was ein weiterer Grund für die grossen Diskrepanz der unterschiedlichen Zeiten sein könnte, ist der Umstand, dass im benachbarten Ausland der Fliegeralarm rund 5 Minuten vor dem in Basel zu hören war. Der Fliegeralarm war zu dieser Zeit insgesamt der achte seit Kriegsbeginn und wurde vom Luftschutz nach den ersten Bombeneinschlägen eigenständig ausgelöst. Kurz zuvor war schon im benachbartem Elsass und badischen Raum der Fliegeralarm zu hören. In letztere Fall war dieser schon einmal zwischen 20:00 und 21:00 zu hören gewesen.

Granatsplitter TellplatzGranatsplitter Tellplatz

Bombensplitter - Gefunden im Dezember 1940 im Raum Tellplatz Basel


 

Offene Fragen und Antworten

Mehrere Fragen blieben bis zum heutigen Tag unbeantwortet. Neben dem wie und warum sich die Bomber im Ziel vertan haben, wurde schon in der Einleitung darauf eingegangen.

Welche Bomber aber Basel bombardiert haben, blieb bis vor kurzem unbeantwortet. Anfang Dezember 2020 ist es dem Autor nun nach jahrelanger Sichtung von Daten in England nun gelungen, 3 der 4 Bomber und ihre Besatzungen zu Identifizieren.

Um dem ganzen auf die Spur zu kommen, musste zuerst einmal die genaue Menge an Bomben die auf Basel gefallen sind, spezifisch ausgewertet werden. Dazu finden sich in den offiziellen Unterlagen der ständigen Feuerwache Basel, dass die Untersuchung der Einschläge an den unterschiedlichen Orten in Basel und Binningen ergaben hatte, das alles in allem 18 Brisanzbomben mit einem Gesamtgewicht von ca. 4700kg von der Royal Air Force über der Region abgeworfen wurde. Im offiziellen Bericht des Ter. Kommando Basel vom 7. Januar 1941 wird die Menge mit 7'600 englischen Pfung (Rund 3'500 kg) angegeben. Darin nicht enthalten sind die rund 70 Brandbomben, welche grösstenteils in Binningen auf unbebautem Gelände niedergingen. Wenn man von den Zahlen des Ter. Kommandos Basel ausgeht, ergibt sich ein klares Bild welche Mengen an Bomben bei welcher Serie abgeworfen wurde, was wiederum half, die fraglichen Bombertypen einzugrenzen.

Der Autor geht anhand der gesichteten Unterlagen und Fakten davon aus, dass vier Bomber der RAF den Angriff ausgeführt hatten. Die jeweilgen Bombenlasten passen exakt zu zwei Bombertypen, welche am Angriff auf Mannheim beteiligt gewesen waren. Dies wären die Handley Page Hampden Mk.I (Bombenlast 1'700 Pfund) und die Vickers Wellington Mk.IC (Bombenlast 2'100 Pfund).

Nach der Durchsicht sämtlicher Operation Record Books aller Bomber Command Squadron von Dezember 1940, konnten drei der vier Bomber identifiziert werden. Nach ihrer Rückkehr gaben die Besatzungen an, ihre Bomben über nicht identifizierten Bahnhöfen, resp. Städten abgeworfen zu haben. Zudem passen ihre Abflug und Ankunftszeiten zur Strecke und unterschieden sich von jenen ihrer Staffel in der Dauer, da ein Mehrweg von fast 500km zurückgelegt werden musste. Sicher ist somit, dass die Bomben auf den Bahnhof SBB und Binningen von zwei Handley Page Hampden Mk.I der No. 49 Squadron abgeworfen wurden. Bei den Abwürfen auf den Winkelriedplatz und in die Dornacherstrasse kann definitiv davon ausgegangen werden, dass eine Serie von einer Vickers Wellington Mk.IC der No. 149. Squadron stammte

 

Die Einschlägen setzten sich wie folgt zusammen:

 1. Serie (Handley Page Hampden) 

Geleise SBB 2 x 500 Pfund

Güterstrasse 1 x 500 Pfund

Centralbahnstrasse 1 x 100 Pfund

Nauenstrasse 1 x 100 Pfund

Total 1'700 Pfund

2. Serie (Vickers Wellington) 

Winkelriedplatz 4 x 500 Pfund

1 x 100 Pfund

Total 2'100 Pfund

   

3. Serie (Handley Page Hampden) 

Höhenweg / Neusatzweg 3 x 500 Pfund

1 x 200 Pfund

Total 1'700 Pfund

 

4. Serie (Vickers Wellington) 

Dornacherstrasse 1 x 100 Pfund

Güterstrasse 1 x 500 Pfund

1 x 1000 Pfund

1 x 500 Pfund

Total 2'100 Pfund

Gesamt-Total 7'500 Pfund  

Die identifizierten Bomber und ihre Besatzungen

 

Handley Page Hampden X.3054 -  No. 49 Squadron

Pilot F/O Howell Sydney Walter Richard DFC - Service Number 72994 - F/O Howell flog 19 Einsätze zwischen Oktober 1940 und Juni 1941 bei der No. 49 Sqn. - Ausgezeichnet mit dem DFC (Distinguished Flying Cross).

Navigator / Bomb aimer   Sgt. Lamb Neville Percy John DFM - Service Number745650 - Sgt. Lamb flog 16 Einsätze als Navigator und 12 als Pilot bei der No. 49 Sqn. - Ausgezeichnet mit dem DFM Distinguished Flying Medal - Sgt. Lamb fiel am 8. Mai 1942, als seine von ihm pilotierte Lancaster Mk.I abstürzte.

Radio Operator P/O Rogers Kenneth C - Service Number 79194 - P/O Rogers Kenneth C, später Sqn. Leader flog zwischen Dezember 1940 bis Juli 1942 24 Einsätze bei der No. 49 Sqn. Er fiel danach "Krank" aus.

Rear Gunner Sgt. Munro Alexander Lyon - Service Number 125353 - Sgt. Munro Alexander Lyon, später zum F/O flog ab 1940 bis 1943 25 Einsätze für die No. 49 Sqn. - Beim Angriff auf Duisburg am 8. April 1943 mit 392 Bombern wurde er und die Besatzung der Lancaster ED590 (EA-L) von der deutschen Flak abgeschossen. Kein Besatzungsmitglied überlente den Absturz. Ihre sterblichen Überreste sindauf dem Reichswald Forest War Cemetery beerdigt.


Handley Page Hampden AD.719 - No. 49 Squadron

Pilot Sgt. Price Gordon Ernest DFM - Service Number 64871 - Sgt. Price flog am 6. Januar 1941, als P/O befördert mit 9 anderen Hampdens der 49 Sqn. Minenlegeinsätze an der Südküste von England. Man nimmt an, dass die Hampden ins Meer gestürzt ist. Alle Besatzungsmitglieder gelten sei dem als vermisst. Sgt. Price hatte zuvor sein Distinguished Flying Cross für den Einsatz über Danzig erhalten, bei welchem er mit einer mit Zusatztanks ausgerüsteten Hampden trotz Schnee und vereisung das Ziel fand, bombardierte und Flugblätter abwarf.

Navigator / Bomb aimer F/O Reid George Frederick DFC - Service Number 44129 - F/O Reid flog zwischen Oktober und Dezember 1940 7 Einsätze mit der 49 Sqn. - Ausgezeichnet mit dem DFC (Distinguished Flying Cross).

Radio Operator Sgt. Small Cyril Alexander - Service Number 971258 - Sgt. Small stürzte zusammen mit Sgt. Price DFM am 6. Januar 1941 an der Südküste von England ins Meer.

Rear Gunner Sgt. Caldwell David Alexander - Service Number755498 - Sgt. Caldwell David Alexander fiel am 10./11. Februar 1941 nach dem Angriff mit 222 Bombern (12 der 49 Sqn.) auf Hannover.  Während des Landeanfluges auf den Flugplatz Scampton wurde die Hampden AD719, in welcher Sgt. Caldwell schon bei der Operation Rachel Abigail mitflog, durch einen in den englischen Luftraum eingedrungenen Nachtjäger Ju88 C-2 des 1./NJG2 in Brand geschossen. Zwei Besatzungsmitgleder der Hapron konnten sich mit dem Fallschirm retten. Sgt. Caldwell jedoch nicht. Er fand seine letzte Ruhe auf dem Edinburgh (Warriston) Cemetery. Der Nachtjäger wurde von Oberleutnant Kurt Herrman pilotiert, welcher in der Nacht vom 10./11. März 1941 wiwderum von der englischen Luftabwehr beschossen wurde und sich dabei am Bauch verletzte. Seine Notlandung auf englischem Terretorium brachte den Engländern den ersten Intakten Nachtjäger und Oberleutnant Kurt Herrman die Gefangenschaft.


Fazit

Auch wenn die meisten Tageszeitungen von einer Schreckensnacht sprachen und diese als eine der schlimmsten Katastrophen die Basel bis zu diesem Zeitpunkt heimgesucht haben, wissen wir objektiv betrachtet, dass letzteres nicht stimmt. Und es sollte bis Kriegsende auch nicht der letzte Bombenabwurf auf Basler Boden gewesen sein, wobei der Angriff der 9th USAAF vom 4. März 1945 um einiges schwerer war, da mit neun schweren Bombern ausgeführt wurde und am Güterbahnhof Wolf grosse Schäden anrichtete. Es ging vielmehr um die Tatsache, dass die Schweiz zwar eine Insel inmitten eines grossen Krieges war, jedoch aber das nicht davor schützte, trotzdem Irrtümlicherweise das Ziel eines Angriffs zu werden. 


Die Orte Heute

 

Bomben auf Basel 1940_17

 Das zerstörte Haus der Familie Zeller am Höhenweg 19 in Binningen konnte nicht mehr aufgebaut werden. Das Mehrfamilienhaus welches heute dort steht, wurde danach an dieser Stelle errichtet. Das Haus links davon ist noch dasselbe wie auf der alten Aufnahme von 1940.

 

Bomben auf Basel 1940_14 

Güterstrasse 167 / 169. 

 

Bomben auf Basel 1940_1 

 Die beschädigten Gebäude an der Sempacherstrasse 34 / 36 wurden repariert und erst viel später durch den nun dort stehenden Bau ersetzt. 

 

In der Nacht als die Bomben fielen. BZ 29.12.2011

Basellandschaftliche Zeitung vom 17.12.2011 - Die Nacht in der die Bomben fielen und Nachtrag vom 29.12.2011

 

Quellen:

Bericht der ständigen Feuerwache Basel – Schweizerisches Feuerwehrmuseum Basel

Bericht der Kommandos Binningen – Ortsmuseum Binningen

Infringing Neutrality – The RAF in Switzerland 1940-45 – Roger Anthoine

The Bomber Command Handbook 1939-1945

NZZ vom 17. – 23. Dezember 1940

Basler Nachrichten vom 17. – 23. Dezember 1940

Basellandschaftliche Zeitung 17. – 23. Dezember 1940

Tagebuch der Wehrmacht Staatsarchiv Mannheim – Luftereignisse in Mannheim 1939 – 1945 von Dieter Wolf

Reduit Basel – Friedrich Reinhardt Verlag Basel

Duell der Flieger und der Diplomaten – Ernst Wetter

Staatsarchiv Basel-Stadt

BISHOP, P., Bomber Boys, Harper Perennial, Londen, 2008

BOWMAN, M., Bomber Command Reflections of War, Volume 1, Pen & Sword Books, Londen, 2012

MAX HASTINGS, Bomber Command, Pan Macmillan, London, 1999

MIDDLEBROOK, M. & EVERITT, C., The Bomber Command War Diaries, Midland Publishing, 2011

49 Squadron Association

The National Archive